/ 11.06.2013
Sylvia Zühlke
Beschäftigungschancen durch berufliche Mobilität? Arbeitslosigkeit, Weiterbildung und Berufswechsel in Ostdeutschland
Berlin: edition sigma 2000; 207 S.; ISBN 3-89404-199-4Berufsstruktureller Wandel wurde in den letzten Jahren hauptsächlich über den Eintritt neuer Kohorten in den Arbeitsmarkt verarbeitet. Der intragenerationalen Mobilität jedoch, in der ältere Arbeitnehmer durch Qualifikationsmaßnahmen in den Stand versetzt werden, Arbeitsplätze in expandierenden Branchen zu besetzen, sei bislang nur wenig Bedeutung beigemessen worden, so Zühlke. Daher liegen für dieses Themenfeld nur vereinzelt empirische Studien vor. Die Berufsstruktur unterlag insbesondere in O...
Sylvia Zühlke
Beschäftigungschancen durch berufliche Mobilität? Arbeitslosigkeit, Weiterbildung und Berufswechsel in Ostdeutschland
Berlin: edition sigma 2000; 207 S.; 29,80 DM; ISBN 3-89404-199-4Berufsstruktureller Wandel wurde in den letzten Jahren hauptsächlich über den Eintritt neuer Kohorten in den Arbeitsmarkt verarbeitet. Der intragenerationalen Mobilität jedoch, in der ältere Arbeitnehmer durch Qualifikationsmaßnahmen in den Stand versetzt werden, Arbeitsplätze in expandierenden Branchen zu besetzen, sei bislang nur wenig Bedeutung beigemessen worden, so Zühlke. Daher liegen für dieses Themenfeld nur vereinzelt empirische Studien vor. Die Berufsstruktur unterlag insbesondere in Ostdeutschland einem erheblichem Wandel. Die Frühverrentung, wie sie in Westdeutschland betrieben wurde, reichte nicht aus, um die berufsstrukturelle Veränderung zu bewältigen. Notwendig wurde, so die Autorin, ein hohes Maß an intragenerationaler Mobilität in den Berufen.
Ein Projekt des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung mit dem Titel "Ostdeutsche Lebensläufe im Transformationsprozeß" (9) erforschte empirisch die individuellen und institutionellen Bedingungen für berufliche Wechselprozesse in Ostdeutschland. Befragt wurden gewerbliche Facharbeiter und kaufmännische Angestellte, die im Dezember 1989 erwerbstätig waren. Die Anzahl der Arbeitsplätze in den beiden Berufsgruppen wurde zwischen 1990 und 1995 um über die Hälfte reduziert. Bei den Befragten beeinflusste die Erfahrung der Erwerbslosigkeit maßgeblich die strukturelle Veränderung, eine andere berufliche Tätigkeit auszuüben. Dieses Ergebnis widerspreche der gängigen Vorstellung über individuelle Inflexibilitäten aufgrund der Berufsverbundenheit und der Vereinseitigung von Kompetenzen. "Dies bedeutet auch, daß diejenigen Personen, die ursprünglich eine Übereinstimmung zwischen beruflichem Bildungsabschluß und beruflicher Tätigkeit aufweisen, nun in eine neue berufliche Tätigkeit wechseln, die sich von dem vorhandenen beruflichen Bildungsabschluß entfernt" (181). Ferner sei die kontinuierliche Ausübung einer beruflichen Tätigkeit vor der Wende eine wichtige Voraussetzung für berufliche Reorientierung nach der Wende. Nicht zu unterschätzen sei dabei die Teilnahme an den beschäftigungsbegleitenden und öffentlich geförderten Weiterbildungen, denn sie ist gleichfalls ein wichtiger Faktor für den intragenerationalen Wandel in der Berufsstruktur.
Inhaltsübersicht: 1. Berufsstruktureller Wandel und intragenerationale berufliche Mobilität: Theoretische Überlegungen; 2. Die Transformation des Berufssystems in Ostdeutschland: Ausgangssituation und Verlauf; 3. Datenbasis, Untersuchungsgruppe und abhängige Variable; 4. Berufliche Wechsel: Einige deskriptive Befunde; 5. Arbeitslosigkeitserfahrungen und berufliche Wechsel; 6. Berufliche Bildung, Qualifikationstypen und berufliche Wechsel; 7. Betriebliche Personalpolitik und berufliche Wechsel; 8. Staatliche Weiterbildungspolitik und berufliche Wechsel.
Wilhelm Johann Siemers (Sie)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.342
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Sylvia Zühlke: Beschäftigungschancen durch berufliche Mobilität? Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12701-beschaeftigungschancen-durch-berufliche-mobilitaet_15199, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15199
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Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
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