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/ 11.06.2013
Ernst Cassirer

Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit. Zweiter Band. Text und Anmerkungen bearbeitet von Dagmar Vogel

Hamburg: Felix Meiner Verlag 1999 (Gesammelte Werke. Hamburger Ausgabe 3); 672 S.; ISBN 3-7873-1403-2
Cassirer, einer der bedeutendsten Neukantianer des Marburger Kreises, interpretiert Kant auf der Folie eines um das hegelsche Motiv der Historizität erweiterten Ansatzes. Die auf zwei Bände und über 1000 Seiten ausgedehnte Rekonstruktion des "Erkenntnisproblems" der neuzeitlichen Philosophie rekurriert nachdrücklich auf die geschichtliche Dimension des Denkens. In kantischer Terminologie nimmt Cassirer die dialektische Genese der neuzeitlichen Erkenntnistheorie, die die klassische Metaphysik abl...
Ernst Cassirer

Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit. Zweiter Band. Text und Anmerkungen bearbeitet von Dagmar Vogel

Hamburg: Felix Meiner Verlag 1999 (Gesammelte Werke. Hamburger Ausgabe 3); 672 S.; Ln., 178,- DM; ISBN 3-7873-1403-2
Cassirer, einer der bedeutendsten Neukantianer des Marburger Kreises, interpretiert Kant auf der Folie eines um das hegelsche Motiv der Historizität erweiterten Ansatzes. Die auf zwei Bände und über 1000 Seiten ausgedehnte Rekonstruktion des "Erkenntnisproblems" der neuzeitlichen Philosophie rekurriert nachdrücklich auf die geschichtliche Dimension des Denkens. In kantischer Terminologie nimmt Cassirer die dialektische Genese der neuzeitlichen Erkenntnistheorie, die die klassische Metaphysik ablöste, in den Blick. Er behandelt den Zeitraum von Mitte des 15. Jahrhunderts (Cusanus) bis Ende des 18. Jahrhunderts (Kant). Ausgehend von der Renaissance verfolgt er die verschiedenen Antworten auf das "Erkenntnisproblem", d. h. die Frage, was Erkenntnis eigentlich sei. Das Spektrum reicht nicht nur von realistischen Auffassungen, wonach eine vorhandene Außenwelt einfach abgebildet werden muss, zu idealistischen Ansätzen, die Wirklichkeit als vom Subjekt geschaffen betrachten. Vielmehr widmet Cassirer dem eben seit Hegel ins Zentrum gerückten Problem, dass auch philosophische Begriffe geschichtlich sind, Aufmerksamkeit. Zwar läuft sein Abriss der Philosophiegeschichte auf eine Synthese differierender Positionen - etwa des Empirismus und Rationalismus - im kantischen System hinaus, dennoch reduziert er sie nicht darauf, Vorgeschichte der Philosophie Kants zu sein. Denn obwohl Kant für Cassirer das Erkenntnisproblem der Neuzeit in gewisser Hinsicht abschließend löst, indem Erkenntnis völlig auf sich selbst gestellt wird und nicht länger von außer ihr seienden Gesetzmäßigkeiten abhängt, bleibt damit die Entwicklung nicht stehen. Kant gegen Kant historisch interpretierend, deutet er die Kategorien des Verstandes als im historischen Prozess veränderlich - sie bieten keinen absoluten Stützpunkt, sondern sind nur relativ zu dem erreichten Erkenntnisstand zu sehen. Was Kant als fundamental für die Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt herausstellte - die Anschauungsformen, Kategorien und Grundsätze -, verwandelt sich so in fallible Hypothesen, die für Revisionen offen sind. - Orthographie und Interpunktion wurden modernisiert, die heute unübliche, für Cassirers Stil aber typische Vielzahl an Doppelpunkten blieb allerdings unangetastet. Sämtliche Zitate wurden bibliographisch überprüft und gegebenenfalls vervollständigt. Aus dem Inhalt: Band I: Die Renaissance des Erkenntnisproblems: 1. Nicolaus Cusanus; 2. Der Humanismus und der Kampf der Platonischen und Aristotelischen Philosophie; 3. Der Skeptizismus. II. Die Entdeckung des Naturbegriffs: 1. Die Naturphilosophie; 2. Die Entstehung der exakten Wissenschaft. III. Die Grundlegung des Idealismus: 1. Descartes; 2. Die Fortbildung der Cartesischen Philosophie. Band II: IV. Die Anfänge des Empirismus: 1. Bacon; 2. Gassendi; 3. Hobbes. V. Fortbildung und Vollendung des Rationalismus: 1. Spinoza; Leibniz; Tschirnhaus; 4. Der Rationalismus in der englischen Philosophie. VI. Das Erkenntnisproblem im System des Empirismus: 1. Locke; 2. Berkeley; 3. Hume. VII. Von Newton zu Kant: 1. Das Problem der Methode; 2. Raum und Zeit; 3. Die Ontologie - Der Satz des Widerspruchs und der Satz vom zureichenden Grunde; 4. Das Problem des Bewußtseins - Subjektive und objektive Begründung der Erkenntnis. VIII. Die kritische Philosophie: 1. Die Entstehung der kritischen Philosophie; 2. Die Vernunftkritik.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Ernst Cassirer: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit. Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12237-das-erkenntnisproblem-in-der-philosophie-und-wissenschaft-der-neueren-zeit_14611, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14611 Rezension drucken
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