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/ 11.06.2013
Hauke Brunkhorst

Einführung in die Geschichte politischer Ideen

München: Wilhelm Fink Verlag 2000 (Uni-Taschenbücher 2161 Wissenschaft [3-8252-2161-X]); 300 S.; 11,25 €; ISBN 3-7705-3502-2
Viele Autoren (nicht nur Hegel) haben den Gang der politischen Theorie als die Entwicklungsgeschichte der Freiheit beschrieben; für Brunkhorst ist es ein "Prozess der schritt- und stufenweisen Erweiterung von Solidarität" (264), nämlich als Kombination von Elementen antiker bürgerschaftlicher Solidarität und jüdisch-christlicher brüderschaftlicher Solidarität zur universalisierbaren politischen Solidarität. Diesen Prozess verfolgt er in seinem chronologischen Entstehen, wobei er gleich am Anfang...
Hauke Brunkhorst

Einführung in die Geschichte politischer Ideen

München: Wilhelm Fink Verlag 2000 (Uni-Taschenbücher 2161 Wissenschaft [3-8252-2161-X]); 300 S.; 11,25 €; ISBN 3-7705-3502-2
Viele Autoren (nicht nur Hegel) haben den Gang der politischen Theorie als die Entwicklungsgeschichte der Freiheit beschrieben; für Brunkhorst ist es ein "Prozess der schritt- und stufenweisen Erweiterung von Solidarität" (264), nämlich als Kombination von Elementen antiker bürgerschaftlicher Solidarität und jüdisch-christlicher brüderschaftlicher Solidarität zur universalisierbaren politischen Solidarität. Diesen Prozess verfolgt er in seinem chronologischen Entstehen, wobei er gleich am Anfang davor warnt, aus der Tatsache, dass eine Entwicklung so und nicht anders erfolgt ist, ihre Notwendigkeit zu deduzieren. Brunkhorst greift kritische Wendepunkte der Ideengeschichte heraus und erklärt sie als soziale Ereignisse, nicht als eine Abfolge von "Klassikern". Dieses wäre, von der Antike zur Gegenwart, auf 300 Seiten wohl ohnehin nicht möglich und existiert zudem bereits aus anderen Federn. Jenes hingegen bietet faszinierende und überzeugende Momentaufnahmen von Zeitpunkten, an denen die materiellen Voraussetzungen für die Verbreitung von Ideen (Schrift und Buchdruck) geschaffen wurden, beziehungsweise an denen diese Ideen neue Wendungen nahmen; nämlich die doppelte Emanzipation des Menschen und Bürgers in der jüdischen und griechischen Antike, die Entstehung des modernen Rechts im Mittelalter, die Emanzipation der Freiheit von der Tugend in der frühneuzeitlichen Souveränität und schließlich die Verfassungsrevolutionen des 18. Jahrhunderts. Der Band ist anspruchsvoll und anregend, und er lässt sich wahrscheinlich sehr gut zur Diskussion verwenden, jedenfalls mit (trotz Titel) fortgeschritteneren Studierenden, die die "normale" Klassiker-Einführung schon hinter sich haben und die nach der Bedeutung der Ideengeschichte fragen. Inhalt: 1. Die Katastrophe der Schrift; 2. Athen und Jerusalem - Philosophische Erkenntnis vs. performative Prophetie; 3. Verrechtlichung des Sakralen; 4. Die Sprache im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit; 5. Souveränität des Subjekts; 6. Demokratisierung der Souveränität; 7. Zusammenfassung und Ausblick: Lässt sich die Solidarisierung der Bürgergesellschaft globalisieren?
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.3 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Hauke Brunkhorst: Einführung in die Geschichte politischer Ideen München: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12727-einfuehrung-in-die-geschichte-politischer-ideen_15234, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15234 Rezension drucken
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