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/ 04.06.2013
Uwe Schulz

Der Kampf um die Schulen. Staat und Schule in Südafrika

Frankfurt a. M.: IKO-Verlag für Interkulturelle Kommunikation 1996 (Informationsstelle Südliches Afrika 26); VI, 172 S.; 32,- DM; ISBN 3-88939-210-5
Im Mittelpunkt steht die Frage, inwieweit das autoritäre Apartheidregime in Südafrika in der Lage war, das Bildungssystem für die Durchsetzung der rassistischen Ideologie zu instrumentalisieren. Der Kampf um die Macht über die Schulen zwischen 1948 und 1995 war einer Dynamik unterworfen, die sich trotz hierarchischer Ordnung und totalitärer Einflußnahme durch den Staat bis zu einem Punkt verselbständigte, "an dem das Institutionengefüge zur Erfüllung gesellschaftlicher Aufgaben einerseits zum Erliegen kam und andererseits Resultate zeitigte, die in keiner Weise intendiert worden waren" (3). Schulz untersucht weniger die Inhalte schulischer Ausbildungen als die Frage nach der Monopolstellung des Staates bei der institutionalisierten Unterrichtung der Bevölkerung, der Rolle der Schulen bei der Verbreitung von Ideologien, der Legitimierung staatlicher Herrschaft und Förderung ausgewählter Gruppen. Im Rahmen des nation building-Projektes stellen Kontrolle und Legitimität die Eckpfeiler im Kampf um die Schulen dar, insofern sie das Verhältnis vom Bürger zum Staat vermitteln (151). Diese Fragen stellen sich ebenfalls für die Post-Apartheid-Gesellschaft und es wird deutlich, "daß Persistenz und Wandel in einem ungleichwertigen Verhältnis zueinander stehen" (5). Die funktionalen Überschneidungen der Konzepte von Rasse (Ethnie), Nation und Klasse haben sich in den letzten Jahren zunehmend aufgelöst. Im Ergebnis wurde "Klasse" zum bestimmenden Faktor der herrschenden Strategie (150). Der Autor analysiert treffend die Auswirkungen des Apartheidregimes auf das Schulsystem in Südafrika. Zum einen zeigt er, daß ohne die Akzeptanz eines großen Teils der Bevölkerung und durch den "gestörten" politischen Willensbildungsprozeß über einen längeren Zeitraum ein sozialer Sprengsatz gelegt wurde. Zum anderen wird deutlich, daß die südafrikanische Gesellschaft auch zukünftig unter den Folgen der diskriminierenden Machtverteilung, die sich auch im Schulsystem widerspiegelt, zu leiden haben wird und dessen Reformen noch lange nicht abgeschlossen sind.
Thomas Morick (TM)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.67 Empfohlene Zitierweise: Thomas Morick, Rezension zu: Uwe Schulz: Der Kampf um die Schulen. Frankfurt a. M.: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3698-der-kampf-um-die-schulen_4950, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 4950 Rezension drucken
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