/ 17.06.2013
Julia Moser
Der schweizerische Wohlfahrtsstaat. Zum Ausbau des sozialen Sicherungssystems 1975-2005
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2008 (Schriften des Zentrums für Sozialpolitik 16); 274 S.; kart., 34,90 €; ISBN 978-3-593-38755-0Diss. Bremen. – Seit Mitte der 70er-Jahre steht der Wohlfahrtsstaat in der OECD-Welt vor wachsenden sozioökonomischen Herausforderungen, die das Ende der Hochexpansionsphase und den Übergang vom „Goldenen“ zum „Silbernen Zeitalter“ des Wohlfahrtsstaates markieren. Entgegen diesem Trend hat die Schweiz auch nach 1975 ihren Wohlfahrtsstaat weiter ausgebaut. Wie lässt sich dieser den wesentlichen Annahmen der vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung widersprechende Sonderfall erklären? Aus den verschiedenen Schulen der Wohlfahrtsstaatsforschung arbeit Moser im theoretischen Teil Hypothesen heraus, mit denen sich ein sozialpolitischer Ausbau auch in ökonomisch schwierigen Zeiten erklären lässt. Im empirischen Teil rekonstruiert die Autorin die sozialpolitische Entwicklung der Schweiz von 1975 bis 2005 in den Bereichen Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung sowie Familienpolitik. Warum die Schweiz sozialpolitisch gegen den Strom geschwommen ist, erklärt Moser nicht nur mit der Entstehung neuer sozialer Risiken, sondern vor allem mit der Tatsache, „dass die Schweiz als Nachzügler ins ‚Silberne Zeitalter’ des Wohlfahrtsstaates geriet“ und durch die verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erst die Mängel des bis dahin nur unzureichend ausgebauten Sozialsystems zutage traten. Gewerkschaften, neue Interessengruppen und Sozialdemokraten fungierten als wichtige politische Weichensteller, zudem „begünstigte die Vielzahl von institutionellen und parteipolitischen Vetospielern trotz steigender Empfängerzahlen politische Lösungen nahe dem Status quo und behinderte einseitigen Rückbau“. Dass seit Mitte der 90er-Jahre die wohlfahrtsstaatliche Expansion „weitgehend zum Erliegen gekommen ist“, spreche dafür, dass die Schweiz nach einem verspäteten Ausbau nun auch einen verspäteten Rückbau betreibt. Insofern erweise sich die Schweiz als „doppelter Nachzügler“ (235).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.5 | 2.262
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Julia Moser: Der schweizerische Wohlfahrtsstaat. Frankfurt a. M./New York: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14809-der-schweizerische-wohlfahrtsstaat_35404, veröffentlicht am 20.01.2009.
Buch-Nr.: 35404
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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