/ 22.06.2013
Steffen Hagemann
Die Siedlerbewegung. Fundamentalismus in Israel
Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2010 (Wochenschau Wissenschaft); 502 S.; 49,80 €; ISBN 978-3-89974615-0Politikwiss. Diss. FU Berlin; Gutachter: H. Funke. – Der Autor untersucht die religiöse Siedlerbewegung aus historischer Perspektive. Infolge des Kriegs von 1967 hatte Israel das Westjordanland und die dortigen heiligen Stätten erobert. Einige Zionisten sahen sich damit in ihrem zionistischen Projekt bestätigt und gründeten die Siedlungen Kfar Etzion und Hebron, was den Auftakt einer bis heute andauernden Besiedlung der besetzten Gebiete bildete. Hagemann betrachtet insbesondere die Ideologie und die Organisationsstruktur der Bewegung. Darüber hinaus beschreibt er aber auch ihre Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen und ihre Resonanz in der israelischen Gesellschaft. Die nachhaltige Sicherung von Einfluss und Unterstützung durch das politische System sei beispielsweise dem Gusch Emunim durch eine Strategie der Kombination von heiliger Mission und politischem Pragmatismus gelungen, als einer „Doppelstrategie von außerparlamentarischem Protest und institutionalisierter Zusammenarbeit mit dem politischen System“ (230). Dieses Verfahren sei jedoch keineswegs frei von Spannungen, betont der Autor. Denn so fordere Gusch Emunim die Anerkennung als legitime Strömung des Zionismus und Teilhabe am politischen System, stelle durch seine Siedlungsaktivitäten und illegale Protestaktivitäten aber die Legitimität der säkularen Rechtsordnung infrage. Dennoch habe die Bewegung große Resonanz sowohl innerhalb des Arbeiterzionismus als auch unter den Revisionisten gefunden. Es sei Gusch Emunim gelungen, sich „in der israelischen Öffentlichkeit als Revitalisierungsbewegung des klassischen Zionismus“ (302) zu inszenieren. Allerdings, so Hagemann, integrierte die Siedlerbewegung zionistische „Symbole, Narrative und Erinnerungen in ein religiöses Narrativ und zielte damit auf eine grundlegende Transformation des mehrheitlich säkularen Zionismus des israelischen Staates“ (302). Der Autor warnt abschließend davor, infolge einer derzeitigen Schwächung der Siedlerbewegung auch von einer De-Radikalisierung auszugehen. Eher vermutet er mit Blick auf die Westbank, wo der ideologische Kern der Bewegung zu finden sei, das Gegenteil.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.63 | 2.22 | 2.23 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Steffen Hagemann: Die Siedlerbewegung. Schwalbach/Ts.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32411-die-siedlerbewegung_38673, veröffentlicht am 08.07.2010.
Buch-Nr.: 38673
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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