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/ 11.06.2013
Christopher Daase

Kleine Kriege - Große Wirkung. Wie unkonventionelle Kriegführung die internationale Politik verändert

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1999 (Weltpolitik im 21. Jahrhundert 2); 312 S.; brosch., 39,- DM; ISBN 3-7890-6208-1
"Es geht [...] nicht darum, eine Theorietradition gegen andere auszuspielen, sondern darum, Möglichkeiten zu entwickeln, neue Fragen zu stellen" (255). Die von Daase gestellten neuen Fragen zielen nicht nur darauf, den kleinen Krieg als potenziell das internationale System verändernde Ereignis ins Gespräch zu bringen, sondern sie zielen auch auf das Verständnis von internationaler Politik überhaupt: "Um dieses Wechselverhältnis von Kleinem Krieg und internationalem System zu begreifen, ist ein Verständnis von Wandel notwendig, wie es bisher in der Disziplin Internationale Beziehungen überhaupt nicht existiert hat. Die Stabilitätsorientierung des Faches führte über Jahrzehnte dazu, dass Konzepte zur Erfassung von makro-sozialem Wandel im internationalen System unterentwickelt blieben." (16) Nach Ende des Ost-West-Konflikts, so Daase, sei zwar der politische Wandel in der Wissenschaft akzeptiert, aber es sei nicht akzeptiert, dass sich Wandel im Rahmen des internationalen Systems abspielen könne, ohne dass ein Wechsel des internationalen Systems selbst vorliegt. Der kleine Krieg ist nach Daase das geeignete Phänomen, um einerseits die Schwächen der bestehenden Theorien der Internationalen Beziehungen aufzuweisen und andererseits Grundlagen für eine neue zu legen, denn "nur ein Verständnis des Kleinen Krieges lässt uns die Transformationsprozesse verstehen, ohne deren Verständnis unsere Ideen von den internationalen Beziehungen statisch blieben" (22 f.). Daase präsentiert drei Fallstudien: Die USA und der Vietnamkrieg, Israel und die Palästinenser, die Türkei und die Kurden. Wenn denn Daases These stimmen soll, dass die sogenannten kleinen Kriege das internationale System mehr verändern als die großen Konflikte zwischen Staaten, dann mag die Frage auftauchen, weshalb zum Beispiel der für die USA katastrophale Vietnamkonflikt, der unerklärte Krieg, nicht auch gleichzeitig ihre Rolle bzw. Position im internationalen System fundamental veränderte. Es mag auch die Frage berechtigt sein, weshalb die vielen anderen kleinen Kriege während des Kalten Krieges das internationale System nicht veränderten, vielmehr sogar festigten. Letztendlich bleibt die unbefriedigende Erkenntnis, dass der Autor dem Phänomen des kleinen Krieges nicht auf den Grund gehen möchte (oder nicht kann), sondern ihn als Vehikel für eine mit sozialwissenschaftlichem Vokabular überfrachtete Theoriekritik nutzt, die wiederum selbst kritikwürdig ist.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 4.412.252.632.64 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Christopher Daase: Kleine Kriege - Große Wirkung. Baden-Baden: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11159-kleine-kriege---grosse-wirkung_13191, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 13191 Rezension drucken
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