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/ 22.06.2013
Patrick Rademacher

Politische Inhalte im Internet. Angebot und Nachfrage politischer Inhalte im World Wide Web am Beispiel von Volksabstimmungen in der Schweiz

Köln: Herbert von Halem Verlag 2010 (Neue Schriften zur Online-Forschung); 424 S.; 32,50 €; ISBN 978-3-86962-031-2
Medienwiss. Diss. Zürich; Gutachterin: G. Siegert, Gutachter: O. Jarren. – Welche Rolle spielt das Internet bei der Politikvermittlung? Wie nutzen politische Akteure die Möglichkeiten des Internets, relativ bequem und kostengünstig ein breites Publikum anzusprechen? Inwiefern werden solche Inhalte von den Bürgern nachgefragt und welche Folgen erwachsen daraus für die traditionellen Medienorganisationen? Diese Fragen stehen im Zentrum der Arbeit. Durch die Betrachtung der Angebots- und der Nachfrageseite – die auf der Grundlage eines heuristischen Marktmodells erfolgt – zeichnet der Autor ein Gesamtbild der beteiligten Akteure in diesem Online-Markt. Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile: Während im ersten Teil ausführlich der Forschungsstand zu diesen Fragestellungen dargelegt wird, erfolgt im zweiten Teil eine eigene empirische Untersuchung am Beispiel von zwei nationalen Volksabstimmungen in der Schweiz aus dem Jahr 2008 (Unternehmenssteuerreform und Volksinitiative für demokratische Einbürgerung). Auf der Anbieterseite unterscheidet Rademacher zwischen Medienorganisationen, etablierten politischen Akteuren (u. a. Regierung, Parlament, Fraktionen, Parteien sowie sozio-ökonomische Verbände) und den nicht etablierten politischen Akteuren (u. a. soziale Bewegungen, NGOs), die – so eine eingangs formulierte Annahme – um das knappe Gut der Aufmerksamkeit der Bürger konkurrieren. Auf der Nachfrageseite werden das Nutzungsverhalten verschiedener Bevölkerungsgruppen und die Motive der Internetnutzer untersucht. Im Ergebnis zeigt sich u. a., dass die etablierten politischen Akteure zu den dominanten Anbietern politischer Inhalte im Internet zählen, diesem Angebot aber „nur eine begrenzte Nachfrage der Bürger gegenübersteht“ (346). Politisch interessierte Internetnutzer informierten sich primär bei Medienorganisationen und Newsportalen, damit sei die angenommene Konkurrenz zwischen Medienorganisationen und etablierten politischen Akteuren nur schwach ausgeprägt. Aufgrund der anhaltenden Finanzierungsproblematik für kostenfreie journalistische Online-Angebote bezweifelt der Autor aber, dass die klassischen Medienorganisationen längerfristig ihrer Vermittlungsaufgabe auf dem Online-Markt „nachkommen können und werden“ (351).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.222.52.21 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Patrick Rademacher: Politische Inhalte im Internet. Köln: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33416-politische-inhalte-im-internet_39983, veröffentlicht am 04.05.2011. Buch-Nr.: 39983 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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