Skip to main content
/ 22.06.2013
Elisabeth Schleicher

Positive Peace in Kosovo. A Dream Unfulfilled

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2012 (Politik und Demokratie 25); XXI, 310 S.; 51,80 €; ISBN 978-3-631-60678-0
Politikwiss. Diss. Wien; Begutachtung: H. Kramer, G. Stimmer. – Befindet sich der Kosovo – bei Abwesenheit struktureller Gewalt – auf dem Weg zu einem positiven Frieden? Die Autorin untersucht diese Frage für den Zeitraum vom Ende des Krieges 1999 bis zur Veröffentlichung des Gutachtens des Internationalen Gerichtshofs im Jahre 2010, laut dem das Völkerrecht der Anerkennung als Staat nicht entgegensteht. Bemerkenswert an der Umsetzung der Studie ist, dass die Autorin während eines einjährigen Aufenthalts im Kosovo zwischen 2006 bis 2007 im Rahmen der österreichischen KFOR einen tiefen Einblick in die dortige Lage gewinnen konnte. Dies ermöglicht ihr, neben der gewöhnlichen Analyse von Sekundärliteratur und Quellen auch die Methode einer teilnehmenden Beobachtung zu nutzen. Auf der Grundlage der so gewonnenen Erkenntnisse interviewte sie Experten und Bürger. In theoretischer Hinsicht baut diese Arbeit zum einen auf dem Ansatz von Ulrich Schneckener über die Funktionen eines Staates und zum anderen auf den Theorien von Johan Galtung über Frieden und Gewalt auf. Die Autorin nimmt an, dass ein Zusammenhang zwischen der Realisierung der Staatsfunktionen Sicherheit und Wohlfahrt und der Verwirklichung eines positiven Friedens besteht. Im Gegensatz zum negativen Frieden, der durch die einfache Abwesenheit von Krieg definiert werde, setze ein positiver Frieden nach Galtung u. a. ein gewisses Maß an sozialer Gerechtigkeit, Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit sowie eine Balance im Hinblick auf Macht und Ressourcen voraus. Über eine gründliche Untersuchung des politischen Systems wie auch zur Situation der Sicherheit und der sozialen und wirtschaftlichen Lage stellt die Autorin fest, dass zwar von einem negativen Frieden gesprochen werden könne, nicht jedoch von einem positiven. Das bedeute, dass eine zunehmende Sicherheit in weiten Teilen des Kosovo zu verzeichnen sei, darüber hinaus jedoch Mängel bestehen. Gerade die hohe Arbeitslosigkeit und Armut zeigten auf, dass der Staat den Bürgern die Voraussetzungen, um ein angemessenes Leben zu führen, nicht bereitstelle. Dadurch durchziehe eine strukturelle Gewalt, die Galtung als ungleiche Machtverteilung und ungleiche Entfaltungsmöglichkeit bestimme, die Gesellschaft. Aus diesem Grund werde die Möglichkeit einer Friedenskonsolidierung gefährdet. Um einen positiven Frieden und das Ende der strukturellen Gewalt zu bewirken, müssen der Autorin zufolge verstärkt die wirtschaftliche und die soziale Lage verbessert werden.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.612.24.413.62.252.212.22 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Elisabeth Schleicher: Positive Peace in Kosovo. Frankfurt a. M. u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35306-positive-peace-in-kosovo_42526, veröffentlicht am 23.08.2012. Buch-Nr.: 42526 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA