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/ 04.06.2013
Warnfried Dettling

Wirtschaftskummerland? Wege aus der Globalisierungsfalle

München: Kindler Verlag 1998; 335 S.; geb., 39,90 DM; ISBN 3-463-40331-5
Von den spezialisierten Sichtweisen der akademischen Disziplinen unterscheiden sich Zeitdiagnosen gleich durch zwei Ansprüche: sie wollen ein komprimiertes Bild der Gegenwartsgesellschaft entwerfen, das einerseits wesentliche Trends verständlich beschreibt und andererseits für die lesenden Zeitgenossen eine Orientierungsfunktion erfüllt, die sich die Fachwissenschaft nicht (mehr) zutraut. Ein solches Vorhaben verlangt freilich nicht nur eine kompetente Kenntnis einschlägiger sozialwissenschaftlicher Analysen, es erfordert auch eine Vertrautheit mit politischer Praxis, um überhaupt jene Schnittstellen angeben zu können, an denen Reformvorschläge auf eine veränderungsfähige Realität treffen. Dettlings Diskussion von Wegen aus der Globalisierungsfalle wird beiden Ansprüchen gerecht. Das Buch bietet in thematischer Hinsicht eine Konzentration auf fünf Krisenfelder - Wohlfahrtsstaat, Sozialstruktur, sozio-technologische Trends, private Beziehungen, Arbeitsmarkt -, denen dann in Gestalt der "sozialen Bürgergesellschaft" (237 ff.) eine Reformperspektive gegenübergestellt wird, die wesentlich von den sozialen Ressourcen eines erstarkenden Dritten Sektors lebt. Dettlings Studie ist ebenso engagiert wie eingängig geschrieben; daß jedes Kapitel mit den jeweiligen Leitthesen beginnt und am Ende eine Zusammenfassung enthält, bietet gute Voraussetzungen, um das Buch auch einem breiteren Publikum empfehlen zu können. Aus dem Inhalt: 1. Der Wohlfahrtsstaat; 2. Strukturwandel und Systemveränderung; 3. Individualisierung, Globalisierung, Digitalisierung; 4. Der Wandel der privaten Beziehungen; 5. Jenseits der Vollbeschäftigung; 6. Reformperspektive Bürgergesellschaft: Blühende Wirtschaft, sorgender Staat, helfende Familie: Taugen die alten Prämissen für die neue Zeit?; Die Grenzen von Staat, Markt und traditionaler Familie: Ein neuer Gesellschaftsvertrag?; Staatsgesellschaft - Wirtschaftsgesellschaft - Bürgergesellschaft; Globalisierung oder: Die Aufwertung des Lokalen; Eine Ordnungspolitik für den Dritten Sektor; Wer soll das alles machen?; Was soll da alles geschehen?; Wo soll das alles stattfinden? - Die Frage nach den Orten und Räumen; Die ökologische und die soziale Frage: Ein neues Leitbild; Der Reichtum der Gesellschaft: Zeit und Geld; Wann soll das alles geschehen? Epilog: Eine Erinnerung, die konservativ macht; Die Berliner Republik wird eine andere sein; 1. Die Grundlagen und Bedingungen einer nachhaltigen Demokratie müssen neu definiert werden; 3. Der Dritte Sektor - Kein Billiglohnland, sondern: Ein öffentlicher und sozialer Raum für freie und engagierte Menschen!; 4. Die Balance der Kompetenten zwischen dem Nationalstaat, Europa und den lokalen Gemeinschaften muß neu austariert werden; 5. Jenseits von links und rechts: Eine neue Figuration für Reformen?
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3424.43 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Warnfried Dettling: Wirtschaftskummerland? München: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5502-wirtschaftskummerland_7189, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 7189 Rezension drucken
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