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/ 21.06.2013
Dietmar Süß / Winfried Süß (Hrsg.)

Das "Dritte Reich" Eine Einführung

München: Pantheon 2008; 395 S.; 14,95 €; ISBN 978-3-570-55044-1
Der Nationalsozialismus werde in diesem Band als Teil einer europäischen Gewaltgeschichte der Moderne begriffen, schreiben die Herausgeber. Als analytischer Fluchtpunkt diene deshalb nicht wie meist üblich 1933, sondern 1939 als das Jahr der Radikalisierung. Eine zentrale Frage sei, ob sich die deutsche Gesellschaft wie von den Nationalsozialisten gewünscht in eine „kämpfende Volksgemeinschaft“ (10) verwandelt habe. In den Mittelpunkt der Analyse rückt damit die Teilhabe von Individuen oder sozialen Gruppen am NS-Regime. Nachgegangen wird dieser nicht in einem allgemeinen Überblick, sondern mit einer „pointierte[n] Schwerpunktsetzung“ (9). Die Darstellung der einzelnen Themenfelder wird jeweils mit einem Forschungsüberblick verknüpft. Den Autoren gelingt es, den Blick auf für das Funktionieren aufschlussreiche Beispiele zu lenken. Dies gilt u. a. für den Beitrag von Christiane Kuller über die Bürokratie. Sie stellt fest, „dass die alltägliche Verwaltungsarbeit den Staatsapparat in Funktion hielt und es dem Regime lange Zeit ermöglichte, eine Fassade der Normalität aufrechtzuerhalten“ (243). Andere Themen eignen sich hingegen, Differenzierungen im Alltag unter den Bedingungen eines totalitären Regimes darzustellen. Dies gilt beispielsweise für die Sprache im Nationalsozialismus, die Waltraud Sennebogen in vier Aspekte unterteilt darstellt: Kommunikationslenkung, offizieller Sprachgebrauch zur propagandistischen Selbstdarstellung und Tarnung von Misserfolgen, Gegnerverfolgung und Massenmord („Sonderbehandlung“ [174]), allgemeine Sprachpraxis und Formen von Distanz und Verweigerung. Ebenso wie u. a. in dem Beitrag über die Rolle der Frau werden die gesellschaftlichen Kontinuitätslinien herausgearbeitet, an die die Nationalsozialisten anknüpften – denn die „nationalsozialistische Massenbewegung kam aus der Mitte der deutschen Gesellschaft“ (9). Deutlich wird nach Ansicht der Herausgeber, „dass Macht keine statische, an einzelne Institutionen gekoppelte Größe war, sondern ein dynamisches Element“ (10 f.), das immer wieder neu generiert, verhandelt und legitimiert werden musste.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Dietmar Süß / Winfried Süß (Hrsg.): Das "Dritte Reich" München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29423-das-dritte-reich_34818, veröffentlicht am 21.10.2008. Buch-Nr.: 34818 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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