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/ 06.06.2013
Janine Ziegler

Das Kopftuchverbot in Deutschland und Frankreich. Ein Beitrag zur Interpretation der deutschen und französischen Islam-Politik

Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2011 (Politik- und Kommunikationswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft 30); 423 S.; 49,90 €; ISBN 978-3-506-77237-4
Politikwiss. Diss. München; Begutachtung: H. Ottmann, R. Brague. – Mit der Debatte um das Kopftuchverbot steht ein sowohl in Frankreich als auch in Deutschland äußerst kontroverses Thema im Mittelpunkt der Arbeit. Zwar existieren dazu schon einige Veröffentlichungen, Ziegler schafft es jedoch, einerseits durch die vergleichende Untersuchung der deutschen und der französischen Auseinandersetzung sowie andererseits durch die Verbindung der Kopftuchthematik mit dem Verständnis des deutschen und französischen Prinzips der Trennung von Kirche und Staat und dem aktuellen deutschen und französischen Umgang mit dem Islam neue Erkenntnisse hervorzubringen. Durch die Verbindung der drei Themenkomplexe wird ein größerer Zusammenhang hergestellt, aus dem die zentrale These der Arbeit resultiert: Die Kopftuchdebatte wird als Motor und normative Definitionsgrundlage der aktuellen deutschen und französischen Islampolitik interpretiert, da „mit dem Verbot der normative Handlungsrahmen des aktuellen und zukünftigen Umgangs Deutschlands und Frankreichs mit dem Islam bestimmt wurde“ (40). Um diese These zu belegen, analysiert Ziegler zunächst die parlamentarischen Argumentationsmuster der Gesetzgebungsprozesse, die zum Kopftuchverbot im öffentlichen Raum der Schule geführt haben. Dabei versucht sie zu beweisen, dass die hierbei vorgebrachten Argumente der Rechtssicherheit, Gleichberechtigung und Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhangs eher Scheinargumente gewesen seien. Der Autorin zufolge sei es vor allem um das staatliche Selbstverständnis im Umgang mit dem Islam gegangen. Des Weiteren weist sie darauf hin, dass die Islampolitik eine doppelte Ausrichtung enthält: zum einen in Form einer strikten Trennung zwischen Staat und Religion, wie sie sich in den Kopftuchverboten offenbare, und zum anderen in einer kooperativen Form, die sich in den institutionalisierten Dialogen zwischen Staat und islamischen Verbänden in beiden Ländern zeige. Damit, so Ziegler, könne man eine Konvergenz im Umgang mit dem Islam in Deutschland und Frankreich feststellen. Überzeugend ist die Dissertation vor allem in ihrer verbindenden Analyse der drei Themenkomplexe, die normativen Schlussfolgerungen am Ende des Buches bedürfen dagegen sicherlich einer weitergehenden Erörterung.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.232.352.212.3212.612.2632.343 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Janine Ziegler: Das Kopftuchverbot in Deutschland und Frankreich. Paderborn u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9162-das-kopftuchverbot-in-deutschland-und-frankreich_40989, veröffentlicht am 22.03.2012. Buch-Nr.: 40989 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA