/ 11.06.2013
Hans Peter Widmaier
Demokratische Sozialpolitik. Zur Radikalisierung des Demokratieprinzips
Tübingen: Mohr Siebeck 1999; X, 276 S.; brosch., 78,- DM; ISBN 3-16-147144-XIn modernen Demokratien lautet die Antwort auf die soziale Frage staatliche Sozialpolitik. Zunehmend geht sie aber an den sozialpolitischen Bedürfnissen der Individuen vorbei. Durch seine Analyse der Bürokratie nach Weber und des Gemeinschaftshandelns nach Olson erkennt Widmaier den Grund dafür in der Monetarisierung, Verrechtlichung und Zentralisierung sozialer Leistungen. Doch diese ökonomische Denkrichtung vermag nicht alles zu erkennen: "Meine zentrale These läuft darauf hinaus, daß die okzidentale Gesellschaftsentwicklung immer schon mehr war als reine Webersche Rationalisierung im engeren, zweckrationalen Sinne. Es gab stets auch Stätten für Handlungsorientierungen, die anders als utilitaristisch waren" (237). Die Zivilgesellschaft zwischen Staat und Markt ist eine solche Stätte mit einer Vielfalt von Bedürfnissen und Interessen. "Diese Vielfalt mit einer eindimensionalen ökonomischen Theorie der Logik kollektiven Handelns anzugehen halte ich für grundsätzlich falsch und irreführend" (240). Ein alternatives Lösungsmuster sieht Widmaier deshalb in einer dialogischen Sozialpolitik, einer demokratischen eben, in der sich Staatshilfe und Selbsthilfe komplementär verhalten und Mitmenschlichkeit handlungsleitend ist. "Eine demokratisch konzipierte Sozialpolitik stellt somit die Frage nach dem Ort und dem Verfahren, wo Solidarität als Steuerungsmedium zugelassen ist" (240 f.).
Inhaltsübersicht: 1. Paradigmen der Vergesellschaftung: I. Die okzidentale Sonderentwicklung der Wirtschaftens; II. Die zwei Deutungen Max Webers; III. Die soziale Frage als zentrales Thema der demokratischen Frage. 2. Bürokratie als rationale Herrschaftsausübung: I. Die Bürokratie in ihrem historischen Entwicklungsprozeß; II. Die Bürokratie in der Analyse der Neuen Politischen Ökonomie; III. Die politische Kontrolle der Bürokratie. 3. Gemeinschaftshandeln ohne Herrschaftsausübung: I. Mancur Olsons Logik kollektiven Handelns; II. Erweiterungen im ökonomischen Paradigma; III. Über das ökonomische Paradigma hinaus. 4. Demokratische Sozialpolitik: I. Zwei Paradigmen; II. Partizipation; III. Dialogische Sozialpolitik als Prüfstein der Demokratie.
Wilhelm Johann Siemers (Sie)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.21 | 2.262 | 5.45 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Hans Peter Widmaier: Demokratische Sozialpolitik. Tübingen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10243-demokratische-sozialpolitik_12116, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12116
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Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
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