Skip to main content
/ 22.06.2013
Philipp Stammler

Der Anspruch von Kriegsopfern auf Schadensersatz. Eine Darstellung der völkerrechtlichen Grundlagen sowie der Praxis internationaler Organisationen und verschiedener Staaten zur Anerkennung individueller Wiedergutmachungsansprüche bei Verstößen gegen humanitäres Völkerrecht

Berlin: Duncker & Humblot 2009 (Schriften zum Völkerrecht 189); 388 S.; 76,- €; ISBN 978-3-428-13047-4
Rechtswiss. Diss. HU Berlin; Gutachter: C. Tomuschat, G. Nolte. – Ob Menschen, die durch einen Krieg Schäden an Leben, Leib oder Eigentum erlitten haben, einen völkerrechtlichen Anspruch auf Wiedergutmachung ihrer Verluste haben, ist umstritten. Das Völkerkriegsrecht enthält für die Opfer von Rechtsverstößen keinen Schadensersatzanspruch, kriegsbedingte Schadensersatzansprüche werden im Völkerrecht ausschließlich im zwischenstaatlichen Verhältnis anerkannt. In den letzten Jahren sind jedoch vermehrt Forderungen nach einer Stärkung der Rechtsstellung betroffener Individuen laut geworden. Stammler stellt die „rechtlichen und tatsächlichen Besonderheiten“ (5) eines Schadensersatzanspruches von Kriegsopfern dar. Im ersten Teil widmet er sich den rechtlichen Hintergründen der Aufarbeitung von Kriegsschäden und der wissenschaftlichen Diskussion über ein entsprechendes Individualrecht. Der zweite Abschnitt ist der Rechtspraxis gewidmet. Es geht um die Bewertung eines Individualrechts auf Kriegsentschädigung durch nationale Gerichte und Regierungen sowie durch internationale Organisationen. Hierbei wird eine umfangreiche Zahl von Entscheidungen nationaler und internationaler Einrichtungen ausgewertet. Diese Analyse bildet die Grundlage für einen Vorschlag, wie ein Wiedergutmachungsrecht von Kriegsopfern aussehen könnte. In einem subsidiären individuellen Recht auf Wiedergutmachung sieht der Autor die „einzige Möglichkeit, einen gerechten und gleichzeitig praktikablen Ausgleich zwischen den widerstreitenden Interessen zu schaffen“ (342). Einerseits werde dadurch die Rechtsposition einzelner Kriegsopfer gestärkt, andererseits trage die Subsidiarität des individuellen Rechts den praktischen Problemen bei der Regulierung von Kriegsopfern Rechnung.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.1 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Philipp Stammler: Der Anspruch von Kriegsopfern auf Schadensersatz. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31966-der-anspruch-von-kriegsopfern-auf-schadensersatz_38120, veröffentlicht am 01.04.2010. Buch-Nr.: 38120 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA