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/ 05.06.2013
Gerhard Fels

Der Aufruhr der 68er. Zu den geistigen Grundlagen der Studentenbewegung und der RAF

Bonn: Bouvier Verlag 1998; 286 S.; geb., 45,- DM; ISBN 3-416-02816-3
Zahllos waren im vergangenen Jahr die Publikationen zum 30. Jahrestag der studentischen Unruhen im Jahr 1968. Diese Arbeit zählt zu den besseren unter ihnen, obwohl sie nicht von einem Sozialwissenschaftler und gerade weil sie nicht von einem Beteiligten verfaßt worden ist. Der Autor, ehemaliger Lehrer für Philosophie, fragt in dem Buch nach den geistigen und sozialen Grundlagen der Studentenrevolte, die er durch drei Merkmale charakterisiert sieht - in der Sprache der damaligen Protagonisten: Antifaschismus, Antiautoritarismus und Antiimperialismus. Doch diese Haltungen waren auch außerhalb der Studentenbewegung anzutreffen. Auch lassen sich die Studentenunruhen nicht mit einem blinden Willen zu gesellschaftlichen Veränderungen erklären. Erst ein neomarxistisches Konzept gab den Handlungen der 68er ideologischen Furor und Dauer, so Fels. In diesem Konzept, für das die Namen von Horkheimer, Adorno, Marcuse, Bloch, Lukács und Habermas stehen, sieht der Autor die notwendige Voraussetzung für den qualitativen Sprung von der außerparlamentarischen Opposition der fünfziger Jahre zur Studentenbewegung der 60er. Der Neomarxismus fungiert als ein Rahmenkonzept, der vorhandene Unzufriedenheiten bündelte und ihnen eine neue Richtung verlieh. Indem er einen "Dritten Weg" zwischen Kapitalismus und Sowjet-Marxismus forderte, bot er eine politische Vision an. Deren Verwirklichung führte für einen kleinen Teil der Studentenbewegung in die zunehmende Radikalisierung und später in den terroristischen Untergrund. Selbst wo die Revolte zum Terror der RAF entartete, unterlagen die Handelnden einem Rechtfertigungszwang für ihre Anschläge. Sie suchten sie aus utopischen, anarchistischen und neomarxistischen Lehren zu begründen. Bedauerlich ist, daß der wissenschaftliche Apparat des Buches sehr knapp ausgefallen ist und eine Bibliographie völlig fehlt - ein Manko, das auch nicht durch das Personenregister ausgeglichen wird. Aus dem Inhalt: I. Die geistigen Väter der Studentenrevolte; II. Die Etappen der Revolte; III. Die Terroristengeneration; IV. Versuch einer Deutung der Studentenbewegung.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.3312.31 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Gerhard Fels: Der Aufruhr der 68er. Bonn: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6980-der-aufruhr-der-68er_9351, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9351 Rezension drucken
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