/ 04.06.2013
Elmar Bieber
Der Euthanasiebefehl Hitlers in der Bewertung rechtspositivistischer Theorien
Münster: Lit 1996 (Politikwissenschaft 39); 145 S.; 34,- DM; ISBN 3-8258-3010-1Einer der Hauptvorwürfe gegen den Rechtspositivismus ist seine "Wehrlosigkeit" (4) gegenüber staatlichem Unrecht (sogenannte Unrechtsthese). Anliegen des Autors ist es, diesen Vorwurf auf seine Richtigkeit anhand des geheimen Euthanasiebefehls Hitlers vom 1. September 1939 zu überprüfen. Dazu werden zunächst knapp die wichtigsten Varianten rechtspositivistischer Theorien vorgestellt und dann der Frage unterzogen, ob nach ihrer jeweiligen Rechtsdefiniton der Euthanasiebefehl als Recht anzusehen ist. Bieber kann im Ergebnis für sein Beispiel zeigen, daß der Vorwurf der Wehrlosigkeit des Rechtspositivismus nicht stichhaltig ist. Ob damit allerdings die Unrechtsthese relativiert wird, bleibt fraglich, denn auch Nicht-Rechtspositivisten verlangen für ihren Rechtsbegriff ordnungsgemäße Gesetztheit und zumindest ein Minimum an sozialer Wirksamkeit. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, beginnt der Streit um den Rechtsbegriff und damit der Streit darüber, was Recht ist.
Oliver Lembcke (OL)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.4 | 2.312
Empfohlene Zitierweise: Oliver Lembcke, Rezension zu: Elmar Bieber: Der Euthanasiebefehl Hitlers in der Bewertung rechtspositivistischer Theorien Münster: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3811-der-euthanasiebefehl-hitlers-in-der-bewertung-rechtspositivistischer-theorien_5401, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 5401
Rezension drucken
Dr., Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA