/ 11.06.2013
Stephan Linck
Der Ordnung verpflichtet: Deutsche Polizei 1933-1949. Der Fall Flensburg
Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2000 (Sammlung Schöningh zur Geschichte und Gegenwart); 368 S.; 78,- DM; ISBN 3-506-77512-XGeschichtswiss. Diss. Kiel; Gutachter: H. Grieser, G. Paul. – Wie konnte sich die Polizei in den Dreißigerjahren von einer der Sicherheit und Ordnung verpflichteten, das Recht garantierenden Institutition zu einem Instrument des Terrors wandeln und wie gelang die Rückbildung nach dem Krieg? Diesen Fragen und solchen "nach den Objekten der organisatorischen Veränderungen" geht der Autor am Beispiel der Polizei Flensburg nach.
Mit der Herrschaft der Nazis wandelten sich Polizeibegriff - er richtete sich an der völkischen Rechtsauffassung aus und definierte weniger Rechtsbrecher als Brecher der völkischen Ordnung als Gegner - und Polizeiorganisation; das Personal blieb dagegen weitgehend erhalten. Dass sich dieses gleichwohl in seiner neuen Funktion behauptete, führt Linck weniger auf einen "vermeintlichen Opportunismus der Beamtenschaft" zurück als vielmehr auf den unter den Polizeibeamten fehlenden Widerspruch "gegenüber den Maximen der völkischen Rechtsauffassung" (337). Die "polizeilichen Ordnungsvorstellungen [waren] in wesentlichen Punkten deckungsgleich mit den Zielsetzungen des NS-Staates" (338). Gegenüber der Zäsur von 1933 fiel die von 1945 zwar schwerer aus: Die Polizei wurde wieder einem an rechtsstaatlichen Maßstäben orientierten Ordnungsbegriff unterstellt, wofür freilich kein Umdenkungsprozess ursächlich war. Die kaum durchgeführte personelle Erneuerung sorgte für eine Kontinuität des Denkens. "Daß sich hieraus keine weitergehenden Konsequenzen ergaben, ist nicht der Polizei selbst zu verdanken, sondern ihrer Unterordnung unter die neu entstehende rechtsstaatliche Ordnung." (338)
Inhaltsübersicht: II. Die Polizei im NS-Staat: 1. Machteroberung – Zentralisierung – Radikalisierung: Die Transformation der Polizeiorganisation; 2. Die Organisatorische und personelle Entwicklung der Flensburger Polizei 1933-1945; 3. Polizeiarbeit in Flensburg 1933-1945; 4. Alte Beamte und neue Aufgaben. III. Der Umbruch 1945: 1. Flensburg am Kriegsende; 2. Die letzten Tage des Reiches; 3. Von Berlin zur "Festung Nord": Flucht von SS und Polizei; 4. Fahndungen und Verhaftungen von Kriegsverbrechern. IV. Von der Besatzungszone zur Bundesrepublik: 1. Die Entstehung und Entwicklung der britischen Deutschlandplanungen; 2. Die organisatorische Entwicklung der Polizei in Schleswig-Holstein bis 1949; 3. Die Entwicklung der Flensburger Polizei bis 1949; 4. "Vom Chaos zur Ordnung" – Polizeiarbeit der ersten Nachkriegszeit.
Detlef Lemke (Le)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.312 | 2.314
Empfohlene Zitierweise: Detlef Lemke, Rezension zu: Stephan Linck: Der Ordnung verpflichtet: Deutsche Polizei 1933-1949. Paderborn u. a.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10705-der-ordnung-verpflichtet-deutsche-polizei-1933-1949_12656, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12656
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Dipl.-Politologe.
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