Skip to main content
/ 21.06.2013
David Zechmeister

Die Erosion des humanitären Völkerrechts in den bewaffneten Konflikten der Gegenwart

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2007 (Veröffentlichungen aus dem Institut für Internationale Angelegenheiten der Universität Hamburg 30); 241 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-8329-2783-7
Rechtswiss. Diss. Hamburg; Gutachter: S. Oeter, T. Bruha. – Das Ergebnis dieser Studie ist eindeutig: Das humanitäre Völkerrecht befinde sich „an einem Scheidepunkt und es stehen schwierige Zeiten bevor“. (227) Leider wird die Kernfragestellung, nämlich die nach der Erosion des humanitären Völkerrechts, nur im letzten Drittel der Arbeit untersucht. Vorangehen Ausführungen zur historischen Entwicklung, zu den Anwendungsbereichen der einschlägigen Abkommen und Zusatzprotokolle sowie den Durchsetzungsmechanismen – hier wird nichts Neues zur wissenschaftlichen Diskussion beigetragen. Die Lektüre wird zudem durch eine unübersichtliche Gliederungsstruktur erschwert. In den beiden letzten Kapiteln wird dann erst auf die aktuellen Entwicklungen eingegangen. Anhand von vier bewaffneten Konflikten der Gegenwart (Afghanistan, Irak, Russland/Tschetschenien, Israel/Palästina) wird gezeigt, dass das humanitäre Völkerrecht durch grundlegende Entwicklungen in Frage gestellt wird. Zu konstatierten ist eine Zunahme asymmetrischer Konflikte, bei denen die Gegenseitigkeitserwartung – der wichtigste außervertragliche Anwendungsmechanismus im humanitären Völkerrecht – häufig wegfällt. Die herkömmliche Ausrichtung des humanitären Völkerrechts auf den zwischenstaatlichen Krieg entspricht nicht mehr dem Konfliktgeschehen der Gegenwart, das durch innerstaatliche, gemischte oder kaum eindeutig zu definierende Konfliktformen geprägt ist. Der Autor prüft in seinen Fallstudien die sachlichen und personellen Anwendungsbereiche des bestehenden humanitären Völkerrechts konsequent durch und zeigt die im Entstehen begriffenen Grauzonen nachvollziehbar auf. Er beschreibt außerdem, dass viele Konfliktparteien, darunter einige der mächtigsten Staaten der Welt, das humanitäre Völkerrecht bestenfalls nach dem eigenen Bedarf anwenden. Weniger problematisch erscheinen dagegen die durchaus bestehenden Schwierigkeiten bei der rechtlichen Einordnung sachlicher und personeller Anwendungsbereiche (wie z. B. die Diskussion um illegale Kombattanten).
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 4.14.41 Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: David Zechmeister: Die Erosion des humanitären Völkerrechts in den bewaffneten Konflikten der Gegenwart Baden-Baden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28122-die-erosion-des-humanitaeren-voelkerrechts-in-den-bewaffneten-konflikten-der-gegenwart_33061, veröffentlicht am 28.03.2008. Buch-Nr.: 33061 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA