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/ 18.06.2013
Wolfgang R. Langenbucher (Hrsg.)

Die Kommunikationsfreiheit der Gesellschaft. Die demokratischen Funktionen eines Grundrechts

Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2003 (Publizistik, Sonderheft 4/2003); 428 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 3-531-13899-5
Während Kommunikationsfreiheit, also die Freiheit von Presse und Medien, in demokratietheoretischer Perspektive eine zentrale und weithin akzeptierte Bedeutung hat, ist ihre Rolle in empirischer Hinsicht weniger eindeutig bestimmt. Dazu zählen in erster Linie Fragen nach den Funktionen, die freie Medien für die Gesellschaft erfüllen. Funktionale Bezüge dieser Art lassen sich sowohl mit Blick auf die generelle Systemebene (beispielsweise als Integrationsleistung durch Artikulation von Dissens) wie für einzelne Teilsysteme formulieren (etwa hinsichtlich der wechselseitigen Kommunikation zwischen politischen Eliten und Medien). Die Autoren greifen dieses Thema ausdrücklich unter sozialwissenschaftlichen Vorzeichen auf. Der erste Teil des Bandes enthält überwiegend ideengeschichtlich ansetzende Beiträge in Richtung einer Theorie der Kommunikationsfreiheit. Die durchaus widerständige Institutionalisierung von Kommunikationsfreiheit - wofür im westdeutschen Erfahrungshorizont exemplarisch die so genannte „Spiegel-Affäre" aus dem Jahr 1962 stehen kann - ist Gegenstand des zweiten Teils. In Teil III werden spezifische Folgen etablierter Kommunikationsfreiheit diskutiert - das sind typischerweise Konflikte (zwischen Justiz und Medien) oder Fehlentwicklungen (etwa im Boulevardjournalismus). Ein kurzer international vergleichender Ausblick auf Mechanismen zur Sicherung von Pressefreiheit schließt den Band ab. Aus dem Inhalt: Wolfgang R. Langenbucher: Einleitende Überlegungen (7-22) I. Zu einer Theorie der Kommunikationsfreiheit Kurt Imhof: Der normative Horizont der Freiheit. „Deliberation" und „Öffentlichkeit": zwei zentrale Begriffe der Kommunikationswissenschaft (25-57) Jörg Requate: Die Presse als „Fourth Estate". Entstehung und Entwicklung einer folgenreichen Konzeption in England im 19. Jahrhundert (58-71) Hans J. Kleinsteuber: Pressefreiheit in den USA - zwischen „Marketplace of Ideas" und „The People's Right to Know" (72-95) Michael Haller: Von der Pressefreiheit zur Kommunikationsfreiheit. Über die normativen Bedingungen einer informationsoffenen Zivilgesellschaft in Europa (96-111) Stephan Buchloh: Überlegungen zu einer Theorie der Zensur. Interessen - Formen - „Erfolgsfaktoren" (112-135) II. Kommunikationsfreiheit als Lerngeschichte Heribert Prantl: Zensur in Deutschland? Die Gegengeschichte zur demokratischen Kommunikationsfreiheit (139-152) Theo Sommer: Rückblick in den Abgrund. Wie die ‚Spiegel'-Affäre im Herbst des Jahres 1962 die Republik veränderte. Eine persönliche Chronik (153-162) Jürgen Michael Schulz: Kommunikationsfreiheit in der DDR: ein Lernprozess gegen die Macht (163-188) Horst Pöttker: Schweine, Hunde. Politiker beschimpfen Journalisten - ein Grund zur Sorge um die Kommunikationsfreiheit? (189-207) Manfred Redelfs: Recherche mit Hindernissen: Investigativer Journalismus in Deutschland und den USA (208-238) III. Kommunikationsfreiheit im Konflikt Hans Peter Bull: Politik und Politiker als Objekte der Publizistik (241-262) Gottfried Korn: Politik und Politiker als Objekte der Justiz. Ein europäisches Problem aus österreichischer Sicht (263-283) Benno H. Pöppelmann: Als der Staatsanwalt kam. Eine Dokumentation von Durchsuchungen und Beschlagnahmen in Redaktionsräumen (284-322) Roland Seim: „Das gehört verboten!" Kultur und Zensur zwischen Zeitgeist und Wertewandel (323-339) Mischa Charles Senn: Grundrechtskollisionen im Kontext der Kommunikationsfreiheiten - das Beispiel satirischer Äußerungen (340-357) Patrick Rössler / Miriam Meckel: Der diskrete Charme des Voyeurismus. Paparazzi und die Bildberichterstattung über den Tod von Prinzessin Diana (358-375) IV. Pressefreiheit - international mit vielen Grenzen Horst Pöttker: Zahnlose Tiger? Plädoyer für wirksame Selbstkontrolle des Journalismus im Dienste der Kommunikationsfreiheit (379-384) Anthony Löwstedt / Kristina Hahsler: Global Guardians of The Freedom of Expression (385-402) Christina Holtz-Bacha: Wie die Freiheit messen? Wege und Probleme der empirischen Bewertung von Pressefreiheit (403-412)
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.222.3142.642.333 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Wolfgang R. Langenbucher (Hrsg.): Die Kommunikationsfreiheit der Gesellschaft. Wiesbaden: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19968-die-kommunikationsfreiheit-der-gesellschaft_23251, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 23251 Rezension drucken
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