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/ 11.06.2013
François Furet / Ernst Nolte

"Feindliche Nähe" Kommunismus und Faschismus im 20. Jahrhundert. Ein Briefwechsel. Aus dem Französischen von Klaus Jöken und Konrad Dietzfelbinger

München: Herbig 1998; 125 S.; 34,- DM; ISBN 3-7766-2029-3
Daß es durchaus nicht nur primitive Kulturen sind, die soziales Verhalten per Tabu regulieren, zeigt dieser Briefwechsel zwischen den beiden Historikern Nolte und Furet. Nolte brach das Tabu, einen kausalen Nexus zwischen Kommunismus und Faschismus zu vermuten; Furet brach das Tabu, Nolte für zitierfähig zu halten. Im Briefwechsel zwischen beiden erfährt man einiges über Gemeinsamkeiten und Unterschiede des wissenschaftlichen Klimas in Deutschland und in Frankreich; man sieht aber auch, daß man, selbst wenn man wie im vorliegenden Fall grundlegende Prämissen nicht teilt, eine fruchtbare wissenschaftliche Kommunikation pflegen kann, sofern man sich eben von Tabus nicht schrecken läßt. Die Politisierung der Wissenschaft wie in der Totalitarismusdebatte und im Historikerstreit ist erkennbar zu Lasten der Wissenschaft gegangen. Wer mit manchen Deutungen Noltes nicht einverstanden ist, muß sich zur Gegenwehr nicht der Mittel des Schamanen bedienen, es reicht die sachliche Auseinandersetzung. Das zeigt Furet hier ganz unspektakulär.
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 5.43 Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: François Furet / Ernst Nolte: "Feindliche Nähe" München: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10600-feindliche-naehe_12535, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12535 Rezension drucken
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