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/ 04.06.2013
Rita Thalmann

Gleichschaltung in Frankreich 1940-1944. Aus dem Französischen übersetzt von Eva Groepler

Hamburg: Europäische Verlagsanstalt 1999; 168 S.; brosch., 58,- DM; ISBN 3-434-50062-6
Ausgehend von der These, Hitlers Frankreichpolitik habe auf eine dauerhafte Schwächung, Isolierung und Unterwerfung des Landes und seiner gesellschaftlichen Eliten abgezielt, untersucht die Autorin, "wie diese Strategie in der täglichen Praxis der verschiedenen Besatzungsbehörden umgesetzt wurde" (7). Hier unterscheidet sie zunächst zwischen den einzelnen Besatzungsbehörden: neben den Dienststellen des Militärbefehlshabers in Frankreich das Politische Amt des Botschafters Abetz, die Propaganda-Abteilung des Reichsministers Goebbels, der Einsatzstab Rosenberg sowie die Agenten der Sicherheitspolizei-Sicherheitsdienst. Insbesondere die Darstellung der deutschen Besatzungspolitik in den ersten drei Kapiteln - "Aufteilung und Überwachung des Territoriums", "Die Überwachung der öffentlichen Meinung" und "Den 'französischen Kulturimperialismus' brechen" - ist vom beständigen Interessengegensatz und vielfältigen Kompetenzstreitigkeiten zwischen diesen Behörden geprägt. Damit wird deutlich, daß die generelle Strategie der Hitlerschen Frankreichpolitik mindestens bis Ende 1942 nicht in eine konsistente Besatzungspolitik umgesetzt wurde. Dafür werden neben organisatorischen Schwierigkeiten und einer mangelnden Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen den Einzelbehörden insbesondere ideologische und kulturpolitische Differenzen als Gründe genannt. Dementsprechend ergibt im 4. Kapitel die Analyse der Kollaboration als einem (aus deutscher Sicht) "Instrument" der Besatzungspolitik, daß die Bereitschaft französischer Behörden und Institutionen sowie namhafter Einzelpersonen, mit deutschen Stellen "zusammenzuarbeiten" zwar durchweg auf einer Fehleinschätzung des strategischen Ziels der deutschen Frankreichpolitik beruht habe. Das zum Teil widersprüchliche Auftreten und Vorgehen der einzelnen Besatzungsbehörden habe aber vielfach Illusionen über ihre Ziele gefördert und wurde mitunter sogar bewußt ins Kalkül gezogen. Das abschließende Kapitel "Bilanz einer Gleichschaltung" erörtert aus der Sicht Frankreichs deren innenpolitische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen und geht insbesondere auf innerfranzösische Konfliktfelder und politische Spannungen vor 1940 sowie deren Entwicklung unter dem Einfluß bzw. Eindruck der deutschen Besatzungspolitik ein.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.612.312 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Rita Thalmann: Gleichschaltung in Frankreich 1940-1944. Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6341-gleichschaltung-in-frankreich-1940-1944_8605, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 8605 Rezension drucken
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