/ 21.06.2013
Anna Charlotte Thode
Italien – Nord und Süd. Die Questione meridionale in der Politischen Theorie
Berlin: Lit 2009 (Region – Nation – Europa 55); 105 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 978-3-643-10066-5Magisterarbeit Potsdam. – Thode analysiert das Nord-Süd-Entwicklungsgefälle in Italien, die Questione meridionale. Die Lega Nord drohte in den 90er-Jahren mit der Abspaltung des Nordens vom Rest Italiens und der Schaffung einer neuen Nation mit dem Namen Padanien. Die Möglichkeit der Auflösung der italienischen Nation bildet für die Autorin den Ausgangspunkt, sich mit den Vorstellungen italienischer Theoretiker zu dieser Frage zu beschäftigen. Sie analysiert die Schriften von vier italienischen Vertretern der politischen Theorie, die in der Zeit von 1875, also unmittelbar nach der nationalen Einigung, dem Risorgimento, und der Zwischenkriegszeit entstanden. Untersucht wird, wie diese Autoren die Questione meridionale definierten, wie sie die Bewegung des Risorgimento beurteilten und welchen Nationenbegriff sie ihren Überlegungen zugrunde legten. Thodes zentrale Frage lautet, welchen Zusammenhang die Autoren zwischen der Questione meridionale und der Einheit des italienischen Nationalstaates sahen. Zu deren Beantwortung arbeitet sie zunächst die Grundlinien der Debatte über die Nord-Süd-Problematik heraus. Im nächsten Schritt stellt sie die Elemente des Zusammenhalts einer politischen Gemeinschaft und den Charakter der italienischen nationalen Identität dar und analysiert dann Werke der Autoren Pasquale Villari, Guido Dorso, Benedetto Croce und Antonio Crosci. Alle vier Autoren unterstreichen – wie Thode zeigt – die einigende Wirkung des Militärs auf die italienische Gesellschaft. Eine Aktualität sieht sie in Gramscis Überlegungen zur Möglichkeit der regionalen Abspaltung. Schließlich spannt sie den Bogen zur Gegenwart. Es gehe heute darum, „die Bürgerschaft zu erneuern, eine neue Klammer der italienischen Gesellschaft zu identifizieren“. Nicht eine Homogenisierung der Kultur, sondern eine gemeinsame Wertebasis, die Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität umfasst und die Diversität als Ressource begreift, müsse gefunden werden. Dafür sei eine „Belebung der bürgerlichen Gemeinschaft“ (101) notwendig.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61 | 2.25 | 2.23 | 5.46
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Anna Charlotte Thode: Italien – Nord und Süd. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31788-italien--nord-und-sued_37889, veröffentlicht am 10.03.2010.
Buch-Nr.: 37889
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