/ 21.06.2013
Christian Grobe
Kooperation und Verhandlungen in den Internationalen Beziehungen. Eine Neubetrachtung der ZIP-Debatte aus rationalistischer Perspektive. Hrsg. von Johannes Marx, Annette Schmitt, Volker Kunz
Marburg: Tectum Verlag 2007 (Politik begreifen: Schriften zu theoretischen und empirischen Problemen der Politikwissenschaft 8); 107 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-9472-3In der „Zeitschrift für Internationale Beziehungen“ (ZIB) wurde in den 90er-Jahren eine lebhafte Auseinandersetzung um die handlungstheoretischen Grundlagen der Disziplin ausgetragen. Diese „ZIB-Debatte“ mündete in den vorläufigen Konsens, dass internationale Verhandlungen über Werte und Normen, sprich: Argumentationsprozesse, mit rein rationalistischen Ansätzen nicht zu erklären seien. In der ZIB-Debatte schien vielmehr die von Habermas ausgehende Theorie verständigungsbereiter Kommunikation als Siegerin vom Platz zu gehen – ein Anspruch, den Nicole Deitelhoff mit ihrer „Diskurstheorie internationaler Verhandlungen“ (siehe ZPol Nr. 32020) jüngst nochmals bekräftigte. Dem stellt sich Grobes Theorie-Abhandlung vehement entgegen, in der eine „aufgeklärte“ Form des Rationalismus als Erklärungsansatz für internationale Wertedebatten vertreten wird. Dieser Ansatz beruft sich auf Arbeiten aus der experimentellen Ökonomie und setzt, anders als der orthodoxe Rationalismus, unvollständig informierte statt allwissende Akteure sowie normative Grundorientierungen statt eng materielle Interessenkalküle als normal voraus. Der Erfolg von Argumenten beruht aus dieser Sicht nicht auf authentischen Überzeugungsprozessen wie im Verständigungsmodell. Stattdessen betont Grobe die bislang in der Debatte vernachlässigte Rolle von Unsicherheit und Informationsdefiziten, die Verhandelnde empfänglich für Argumente machen und sie dazu bringen können, ihre Präferenzen zu revidieren. Der Autor führt mit diesem Band in zentrale Theorien der Internationalen Beziehungen ein und seziert sie zugleich nach logischen Gesichtspunkten. Mit dem Erklärungsfaktor „Informationsstand“ macht er außerdem einen wichtigen Aspekt sozialen Handelns stark, der die heroischen Annahmen vieler Handlungstheorien zu Recht hinterfragt.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 4.1
Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Christian Grobe: Kooperation und Verhandlungen in den Internationalen Beziehungen. Marburg: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28845-kooperation-und-verhandlungen-in-den-internationalen-beziehungen_34035, veröffentlicht am 09.05.2008.
Buch-Nr.: 34035
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M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
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