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/ 21.06.2013
Robert Gellately

Lenin, Stalin und Hitler. Drei Diktatoren, die Europa in den Abgrund führten. Aus dem Englischen von Heike Schlatterer und Norbert Juraschitz

Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag 2009; 891 S.; geb., 29,95 €; ISBN 978-3-7857-2349-4
Die tief greifende gesellschaftliche und politische Krise, die durch den Ersten Weltkrieg ausgelöst wurde, hatte Radikalen und Utopisten vollkommen neue Möglichkeiten eröffnet. Die Diktatoren Lenin, Stalin und Hitler waren die „Produkte der gewaltigen Veränderungen“ (11). In der Folge erhielten die alten europäischen Konflikte mit dem Kampf zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus während des Zweiten Weltkriegs eine völlig neue Dimension – beide Systeme brachten der Welt „unabhängig voneinander und gemeinsam“ (786) Leid und Zerstörung. Der Historiker Gellately stellt den Terror und die Gräueltaten dieser Diktaturen in den Mittelpunkt seiner Schilderung. Kern der Katastrophe ist der systematische Massenmord an den Juden, trotz aller Verbrechen Lenins und Stalins ist – und daran lässt Gellately keinen Zweifel – der Holocaust singulär. Überhaupt arbeitet er klar gegliedert heraus, wie grundlegend sich beide Diktaturen unterschieden. Die Nationalsozialisten wählten den legalen Weg über das Parlament, Hitler kam durch eine Ernennung an die Macht; die Nationalsozialisten versprachen, die Gewalt von den Straßen zu verdrängen und die Wirtschaft anzukurbeln; die Mehrheit der Deutschen sollte vom Regime überzeugt werden. Gellately verweist außerdem darauf, dass der Nationalsozialismus über keine nennenswerte theoretische Grundlage verfügte und das war, „was Hitler sagte“ (170). Antisemitismus und Antibolschewismus wurden gezielt politisch eingesetzt, Geschichte galt als ständiger Kampf. Die Kommunisten dagegen sahen ihr Vorgehen durch die marxistische und leninistische Theorie legitimiert, die öffentliche Meinung interessierte sie nicht. Lenin und Stalin, die an die illegalen Methoden des Untergrunds gewöhnt waren, versuchten denn auch gar nicht erst, ihrer Revolution einen legalen Anstrich zu geben und setzten den Terror – der jeden Bürger treffen konnte – ein, um Russland politisch, sozial und wirtschaftlich umzuwälzen. Insgesamt gelingt Gellately durch die Gegenüberstellung der Diktaturen und mit der Konzentration auf den Terror eine präzise Darstellung ihrer wesentlichen Charakteristika.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.252.622.3124.1 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Robert Gellately: Lenin, Stalin und Hitler. Bergisch Gladbach: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30367-lenin-stalin-und-hitler_36039, veröffentlicht am 08.04.2009. Buch-Nr.: 36039 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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