/ 18.06.2013
Irene Strenge
Machtübernahme 1933 - Alles auf legalem Weg?
Berlin: Duncker & Humblot 2002 (Zeitgeschichtliche Forschungen 15); 233 S.; 24,- €; ISBN 3-428-10815-9"Das Besondere soll hier sein, die Machtübernahme aus der Sicht des Juristen zu schildern." (13) So begründet die Autorin, weshalb ein weiteres Buch die Massen an historischen Darstellungen zur Geschichte des Dritten Reichs erweitern soll. Legalität wird bei Strenge zu einer Strategie, die zunächst darauf bedacht ist, Schlüsselpositionen auf Länderebene und im Reich zu besetzen und dann die so erreichten Machtpositionen zu konsolidieren, bis die totalitäre Diktatur die Macht vollständig usurpieren kann. Sie will somit untersuchen, "ob die Machtübernahme Zufall war oder ob ein - juristischer - Plan dahinterstand" (15). Die Untersuchung konzentriert sich auf die Zeit zwischen der Ernennung von Wilhelm Frick zum thüringischen Innenminister und dem Ermächtigungsgesetz. Für diese Zeit kommt sie zu dem Schluss, dass der Weg Hitlers an die Macht auch das Resultat einer wohldurchdachten, nach dem damaligen Verständnis legalen Strategie war, die hauptsächlich auf Frick zurückgeht. Die Ergebnisse der Untersuchung, insbesondere zur Rolle Fricks in den frühen Jahren des Nationalsozialismus sind durchaus spannend und lesenswert. Die Gesamtbeurteilung des Aufstiegs der Nationalsozialisten als "legal" mutet jedoch fragwürdig an, da sie völlig den außerparlamentarischen Terror ignoriert, der schon lange vor den Märzwahlen 1933 ein notwendiger Bestandteil einer jeden "legalen" Strategie zur Erringung der Macht gewesen war.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Irene Strenge: Machtübernahme 1933 - Alles auf legalem Weg? Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17589-machtuebernahme-1933---alles-auf-legalem-weg_20270, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20270
Rezension drucken
Dr., Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA