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/ 17.07.2013
Jost W. Kramer / Robert Schediwy

Minderheiten. Ein tabubelastetes Thema

Berlin: Lit 2012 (Politikwissenschaft 190); II, 174 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 978-3-643-50418-0
„Der in den letzten Jahrzehnten medial dominierende Diskurs der ‚politisch Wohlmeinenden‘ war […] jener, der […] einseitig die Vorteile weitgehender Kapital‑ und Personenmobilität, ja völliger Wanderungsfreiheit, einer ‚buntscheckigeren‘ Welt und des engen Zusammenlebens sehr verschiedener Kulturen hervorhebt – ungeachtet der Tatsache, dass dabei die binnengesellschaftliche Solidarität schwer beeinträchtigt wird.“ (3) – Jost Kramer und Robert Schediwy verfolgen die Absicht, das aus ihrer Sicht moralisierend tabuisierte Thema zu analysieren und Denkanstöße zu liefern. Sie befürchten, dass als Gegenbewegung zur „zurück gestaute[n] Debatte“ (5) latent existierender Rassismus in Form einer Radikalisierung und zunehmenden Gewaltbereitschaft zum Ausbruch kommt – zumal in Zeiten der Wirtschaftskrise. In Teil 1 werden Ursprünge und Typen von Minderheiten aufgeführt. Dazu heißt es: „Die soziale Lage von Minderheiten […] erscheint umso entspannter und ungefährdeter, je weniger es zur Ausdifferenzierung hermetisch abgekapselter Gruppensolidaritäten in einer Gesellschaft kommt.“ (17) Im zweiten Abschnitt wird die psychosoziale Dynamik des Minderheitenstatus, unter anderem in Bezug auf Kolonialismus und Stereotype, dargestellt; eine „Alles‑oder‑Nichts‑Haltung führt immer wieder dazu, dass es ein Kippen der Lage von der Minderheitenherrschaft zur kompletten Flucht und Vertreibung der Fremden gibt“ (74). In Part 3 werden „Wege in die Katastrophe“ (117) aufgezeigt, zum Beispiel wie folgt: „Latenter Neid auf ökonomisch durchschnittlich besser gestellte Minderheiten bzw. latente Angst vor Unterschichtenminderheiten können gerade in historischen Krisensituationen Verschwörungsszenarien und paranoide Wahnideen fördern.“ (124) Zur aktuellen Lage äußern sich die Autoren in Teil 4 dahingehend, dass „der soziale Zusammenhalt zwischen Menschengruppen unterschiedlicher, intensiv gelebter Religionszugehörigkeit besonders schwer herzustellen“ (169) sei. Die Autoren empfehlen der Politik im Fazit die Förderung beziehungsweise Schaffung folgender Aspekte: Säkularität, Gleichstellung der Frau, interkulturelle Ehen und gemeinsame Identitäten.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.422.22.222.252.62.31 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Jost W. Kramer / Robert Schediwy: Minderheiten. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35975-minderheiten_43341, veröffentlicht am 17.07.2013. Buch-Nr.: 43341 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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