/ 22.06.2013
Pat Mooney
Next BANG! Wie das riskante Spiel mit Mega-Technologien unsere Existenz bedroht. Bearbeitet von Niclas Hällström. Hrsg. von der Right Livelihood Award Foundation
München: oekom verlag 2010; 317 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-86581-212-4Der Autor entwirft eine fiktionale und nicht sonderlich optimistische Erzählung der globalen Entwicklung vom Jahr 2005 bis ins 2035. Das Ausgangsjahr wählt der Träger des Alternativen Nobelpreises, weil er es als „traumatisches Jahr“ (15) der Katastrophen ansieht, in dem sich verschiedene globale Entwicklungen exemplarisch zeigten: der Tsunami im Indischen Ozean, die Hungersnot in Darfur, die Gewaltausbrüche in der Londoner U-Bahn und den Pariser Vorstädten, der Untergang von New Orleans, die Gewaltexzesse in Palästina und im Irak. All dies ereignete sich im wärmsten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Mooneys Dystopie beginnt damit, dass die Staaten der Welt 2011 an politischen Lösungen für den Klimawandel scheitern und sich auf Drängen auch der Industrie auf technische Lösungen nicht nur für den Klimawandel verlegen. So beginnt „jedes halbwegs technisierte Land auf dem eigenen Staatsgebiet nach Belieben Geo-Engineering zu betreiben“, sodass eine fiktive Journalistin scherzt, die Welt solle nicht vor dem Terrorismus, sondern vor dem „Terra-ismus“ (33) erzittern. In der Folge kommt es schließlich dazu, dass die Anreicherung der Atmosphäre mit Nanopartikeln völlig außer Kontrolle gerät. Erschreckend detailreich schildert Mooney die sich entwickelnde globale Umwelt- und Gesundheitskrise. Vor dem Hintergrund der Theorie von Kipp-Punkten des Klimas sei es unverantwortlich, sich dem Problem mit technischen Lösungen zu nähern, argumentiert der Autor. Gerade die OECD-Staaten zeigten eine Begeisterung für Meeresexperimente. So hätte u. a. eine deutsch-indische Gemeinschaftsexpedition 2009 unter Missachtung eines „De facto-Moratoriums für Ozeandüngung“ (154), dem sich 2008 mit der UN-Biodiversitätskonvention 191 Staaten angeschlossen haben, in der Schottischen See experimentiert. Mooney hofft auf die Gründung einer Art von WHO-Watch, die die Welthandelsorganisation überwachen und den „Verstrickungen der Pharmakonzerne mit den Regierungen“ (167) nachgehen sollte. Zudem sei auch über eine UN-Konvention zur Bewertung neuer Technologien nachzudenken.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 2.263
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Pat Mooney: Next BANG! München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32986-next-bang_39402, veröffentlicht am 19.11.2010.
Buch-Nr.: 39402
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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