/ 20.06.2013
Andrea M. Schneider
Ordnungsaspekte in der Nationalökonomik. Eine historische Reflexion
Bern/Stuttgart/Wien: Haupt Verlag 2004 (Beiträge zur Wirtschaftspolitik 79); XVII, 515 S.; geb., 52,- €; ISBN 3-258-06777-5Diss. Erlangen-Nürnberg; Gutachter: G. Büschges, E. Dürr. - Eine fortschreitende internationale Arbeitsteilung, die zukünftige Ordnung der Europäischen Union, Konflikte wie der Irak-Krieg, aber auch die demografische Entwicklung in Deutschland und die Veränderungen der sozialen Beziehungen und Strukturen stellten die Bundesrepublik vor eine „neue, dem historischen Moment eigene ordnungspolitische Problemsituation“ (455). Die Vorstellung einer liberalen Wirtschaftsordnung bzw. einer Sozialen Marktwirtschaft als Ordnungsidee sei angesichts dieser Situation allerdings so lange eine Leerformel, schreibt Schneider, wie die eigentliche Grundsatzentscheidung für die gesellschaftlich erstrebenswerten Ziele nicht wieder neu getroffen würden: Wie viel Freiheit und wie viel soziale Sicherheit möchte eine Gesellschaft erreichen? Die Autorin meint, dass sich dieser Frage nur auf der Basis einer genauen Kenntnis ordnungspolitischer Vorstellungen genähert werden könne, in deren Bezugsrahmen gesellschaftliche Entwicklungen und die Leitbilder wirtschaftspolitischen Handelns gekoppelt werden. Sie stellt daher einige ökonomische Schulen vor, deren Vertreter dem liberalen Denken angehören. Schneider beginnt mit Adam Smith, stellt dann die deutschsprachige Ordnungstheorie und -politik vor, anschließend die Ordnungen der Neoklassik, der Modernen Institutionenökonomik und der Behavioral Economics. Sie zeigt, dass sich die Ordnungsvorstellungen immer in ihrem historischen Kontext, angelehnt an die gesellschaftliche Dynamik und als Ausdruck der individuellen Wertorientierung ihrer Verfasser entwickelt haben. Die Existenz konkurrierender ordnungspolitischer Leitbilder sei allerdings in der gegenwärtigen öffentlichen Reformdiskussion nicht präsent. Die Richtung aber, in die sich eine Ordnung entwickele, hänge auch von den Erwartungen ab, die an sie gerichtet würden.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.45 | 5.46
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Andrea M. Schneider: Ordnungsaspekte in der Nationalökonomik. Bern/Stuttgart/Wien: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22931-ordnungsaspekte-in-der-nationaloekonomik_26191, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 26191
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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