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/ 19.06.2013
Ariane Manske

Political Correctness und Normalität. Die amerikanische PC-Kontroverse im kulturgeschichtlichen Kontext

Heidelberg: Synchron 2002 (Diskursivitäten: Literatur, Kultur, Medien 2); 276 S.; brosch., 34,80 €; ISBN 3-935025-33-5
Kulturwiss. Diss. Dortmund; Gutachter: W. Grünzweig. - Als Folge von Reformbemühungen gegen die von weißen Männern definierte Normalität veränderte sich in den 80er- und 90er-Jahren der universitäre Bildungskanon in den USA. Die aus Europa kommende oder an der europäischen Kultur orientierte Literatur wurde zugunsten von Büchern amerikanischer Autoren zurückgedrängt. Soziale Probleme, Diskriminierungen und kritikwürdige Ereignisse der Vergangenheit gerieten stärker in den Mittelpunkt des Interesses. „Es ging nicht mehr nur um eine Definition der amerikanischen Kultur, sondern um ein gänzlich neues Verständnis amerikanischer Normalität." (254) Die Konservativen aber wollten die Normalität einer europäisch geprägten Kultur bewahren. Um ihre Dominanz zu behaupten, diffamierten sie die Reformbefürworter „als extremistisch" (10). Liberalen, ethnischen Minderheiten, Frauen und Homosexuellen wurde das Streben nach einer Political Correctness unterstellt, die Zensur, Selbstzensur und die Zerstörung des nationalen Bildungskanons bedeutet habe. Der Begriff der Political Correctness sei aber allein von den Konservativen geprägt worden, so Manske. Die beschuldigten Gruppen, die sich selbst nie als politisch korrekt und schon gar nicht als Bewegung definierten, waren von Anfang an in der Defensive. Ihre Reformbestrebungen wurden mit „Feindseligkeit, Intoleranz und Negativität" (10) diskutiert, mehr noch: Die Konservativen erzeugten von sich das Bild einer unterdrückten Minderheit. „Die Vehemenz der konservativen Angriffe und Verurteilungen der PC-Reformvorhaben deutet darauf hin, wie schwerwiegend für die Konservativen der Verlust ihrer kulturellen Autorität in der Definition der amerikanischen Kulturtradition und die Bestimmung der Lehrinhalte war." (253) Dieser „conservative backlash gegen soziokulturelle Veränderungen" (15) habe allerdings die „zunehmende Multikulturalisierung" (231) sowie die „Reformvorhaben in Bildung, Kultur, Wirtschaft und Politik" (231) nicht aufhalten können. Insgesamt gelingt der Autorin eine sehr erhellende Erklärung von „Flexibilisierungsstrategien und dem notwendigen Neuverhandeln gesellschaftlicher Normalitätsvorstellungen" (256).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.642.232.2635.42 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ariane Manske: Political Correctness und Normalität. Heidelberg: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20476-political-correctness-und-normalitaet_23868, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 23868 Rezension drucken
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