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/ 21.06.2013
Christoph Zöpel

Politik mit 9 Milliarden Menschen in Einer Weltgesellschaft. Eine Orientierung in Worten und Zahlen

Berlin: vorwärts buch GmbH 2008 (Internationale Politik); 635 S.; brosch., 29,95 €; ISBN 978-3-86602-984-2
Der Autor legt mit diesem umfangreichen Werk ein programmatisch unterfüttertes Plädoyer für eine aktive Politik zur Ausgestaltung einer Weltpolitik für die Weltgesellschaft vor. Seine beiden Ausgangsthesen besagen, dass eine Weltgesellschaft längst Realität sei und sich theoretisch wie praktisch begründen lasse. Die zunehmende globale Bevölkerungsdichte, der Klimawandel, die neuen Informationstechnologien, die globale Verflechtung der Finanzwelt und nicht zuletzt das Potenzial der nuklearen Selbstvernichtung würden, so Zöpel, nicht die Frage nach dem Ob einer Weltgesellschaft stellen, sondern vielmehr, inwieweit diese infolge vorgeprägter Denkmuster wahrgenommen würde. Entlang eines geschichtlichen Überblicks, der universale Menschheitsprobleme, aber auch universale Werte darlegt, kommt der Verfasser zum programmatischen Teil seiner Ausführungen, die er theoretisch mit der systemtheoretischen Prägung des Begriffs der Weltgesellschaft durch Niklas Luhmann sowie mit zahlreichen Anleihen bei Jürgen Habermas und Talcott Parsons unterlegt. Er konstatiert für die globale Situation: „Exekutive und zum Teil auch Judikative sind im UN-System vorhanden, sie müssen allerdings verbessert werden. Was fehlt ist die Legislative“ (395). Zwar stelle die UN-Charta die Vermeidung von Krieg, Glauben an die Menschenrechte und soziale Fortschritt gleichberechtigt nebeneinander, jedoch schlage sich dies nicht in der Kompetenzstruktur der Charta nieder. So fordert Zöpel eine Aufwertung des Wirtschafts- und Sozialrates und die Bildung einer Art zweiten Sicherheitsrates als Rat für Nachhaltige Entwicklung, dem die internationalen Finanzorganisationen zugeordnet werden sollten. Politisch brisant sind die Forderungen des Autors für die deutsche Außenpolitik: Er fordert den Verzicht auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat sowie den Verzicht auf Militäreinsätze außerhalb des UN-Kommandos, womit er ausdrücklich auch den Bundeswehreinsatz im Rahmen der NATO in Afghanistan ablehnt.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.12.2 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Christoph Zöpel: Politik mit 9 Milliarden Menschen in Einer Weltgesellschaft. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28264-politik-mit-9-milliarden-menschen-in-einer-weltgesellschaft_33257, veröffentlicht am 21.10.2008. Buch-Nr.: 33257 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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