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/ 18.06.2013
Rudolf Maresch / Florian Rötzer (Hrsg.)

Renaissance der Utopie. Zukunftsfiguren des 21. Jahrhunderts

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2004 (edition suhrkamp 2360); 255 S.; 10,- €; ISBN 3-518-12360-2
Der Telepolis-Chefredakteur Rötzer und der freie Autor Maresch legen einen bunten Sammelband mit dem Schwerpunkt Medien- und Technologieutopien vor. Die Autoren sind mehrheitlich Journalisten und Literaten. Akademiker bilden die Minderheit. Die politikwissenschaftlich interessantesten unter ihnen sind Peter Glotz und Claus Leggewie. Glotz spekuliert in seinem „Entwurf für ein Schweizer Geschichtsbuch" (21) über die multipolare Weltordnung des 21. Jahrhunderts und ihre Zähmung des neoliberalen Kapitalismus. Leggewies Beitrag zeichnet sich vor den anderen durch seine analytische Sachbezogenheit und Realitätsnähe aus. Er versteht Afrikas soziokulturelle Entwicklungsperspektiven als beispielhaft für die „interdependente Weltgesellschaft" (64). Afrikas gegenwärtige Probleme, so Leggewie, werden zukünftig auch Probleme der Gesellschaften außerhalb Afrikas sein. Und zugleich sei Afrika ein „Kontinent der Hoffnung" (60), weil sein Weg politischer Kooperation die einzige Möglichkeit für ein friedliches Zusammenleben auch außerhalb des Kontinents darstelle. Zwar regt der Großteil der Beiträge zum Nachdenken an. Leider vermisst der Leser jedoch zu oft den Sachverstand, der die Texte über das Niveau gehobenen Feuilletons hinaus qualifiziert hätte. Ob dieser Band also die „Frische, Zuversicht und Unbeschwertheit" (12) zurückbringt, die Europa nach Maresch fehlt, scheint fraglich. Aus dem Inhalt: Rudolf Maresch: Zeit für Utopien (7-20) Peter Glotz: Rückblick auf das 21. Jahrhundert. Entwurf für ein Schweizer Geschichtsbuch Auflage 2080 (21-33) Konrad Lischka: Es wäre unbedingt ein Leben mit mehr Sinn. Businessplan für imaginäre Unterhaltungs-Umwelten von „Senseful Recreation Services" (34-46) Claus Leggewie: Afrika. Vom Nicht-Ort der Welt zum Kontinent der Zukunft (47-64) Gundolf S. Freyermuth: Designermutanten & Echtzeitmigranten. Mit der Digitalisierung eskaliert der Prozess neuzeitlicher Individuierung zur Utopie des virtuellen Menschen (65-91) Francis Heylighen: Das Globale Gehirn als neues Utopia (92-112) Janko Röttgers: Die Zukunft des Internets (113-131) Charles Lumsden: Das Posthumane Zeitalter: Das Spiel der Werkzeuge und das genomische Vergessen einer utopischen Spezies (132-155) Mercedes Bunz: Die Utopie der Kopie (156-171) Florian Rötzer: In Parasitopia (172-190) Hubert Mania: Baudrillards Pfeife (191-206) Hans-Arthur Marsiske: Lockruf des Alls (207-222) Goedart Palm: Die Zukunft des Krieges (223-236) Guillaume Paoli: Die Hinterbliebenen (237-252)
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 5.422.232.672.5 Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: Rudolf Maresch / Florian Rötzer (Hrsg.): Renaissance der Utopie. Frankfurt a. M.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20105-renaissance-der-utopie_23416, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 23416 Rezension drucken
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