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/ 17.06.2013
Kai-Uwe Hellmann / Rainer Schmalz-Bruns (Hrsg.)

Theorie der Politik. Niklas Luhmanns politische Soziologie

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2002 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1583); 320 S.; kart., 13,- €; ISBN 3-518-29183-1
Als letzte seiner Einzelstudien über gesellschaftliche Funktionssysteme ist posthum Luhmanns "Politik der Gesell­schaft" (Frankfurt a. M. 2000) veröffentlicht worden (siehe ZPol 3/01: 1.447 f.). Die Sektion Politische Theorien und Ideengeschichte der Deutschen Ver­einigung für Politische Wissenschaft (DVPW) hat - unterstützt von der Fritz Thyssen Stiftung - diese Publikation zum Anlass genommen, im März 2001 einen Kongress an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zu veranstalten, der sich ausschließlich mit Luhmanns Behandlung politischer Themen befasste. Dass Luhmann das Leistungsvermögen der gegenwärtigen politischen Theorie sehr skeptisch beurteilte, ging nicht erst aus seinem posthumen Werk hervor. Aber dort hat er seine Bedenken mit der Frage, "wie denn die Spezifik der Politik sich von anderer gesellschaftlicher Kommunikation unterscheidet" (Die Politik der Gesellschaft 17) nochmals pointiert an die Politikwissenschaft adressiert, verbunden freilich mit der Einschätzung, weder diese noch die politische Soziologie seien zu der erforderlichen Abstraktionshöhe der Reflexion in der Lage. Diese Differenzwahrnehmung verweist weniger auf jene - vermeintliche - "Staatsfixierung", die der Politikwissenschaft auch heute noch unterstellt wird (so die Annahme des Herausgebers Hellmann [24]), sondern eher auf den gänzlich anderen Gegenstandsbezug, den eine konstruktivistisch verfahrende "Supertheorie" wählt. Für eine als Fachdisziplin auftretende Politikwissenschaft bleibt deshalb die Perspektive der Systemtheorie - wenn diese sich denn des Politischen annimmt - stets eine Provokation. Diese Provokation kann man entweder fachbezogen ignorieren oder aber mit dem Versuch beantworten - und daran sind die Beiträge orientiert -, Luhmanns Theorie der Politik fallweise für eine Reflexionssteigerung der Politikwissenschaft zu nutzen. Inhalt: Armin Nassehi: Politik des Staates oder Politik der Gesellschaft? Kollektivität als Problemformel des Politischen (38-59); Alfons Bora: "Wer gehört dazu?" Überlegungen zur Theorie der Inklusion (60-84); Frank Marcinkowski: Politische Öffentlichkeit. Systemtheoretische Grundlagen und politikwissenschaftliche Konsequenzen (85-108); Walter Reese-Schäfer: Parteien als politische Organisationen in Luhmanns Theorie des politischen Systems (109-130); Klaus von Beyme: Der Staat des politischen Systems im Werk Niklas Luhmanns (131-148); Ruth Simsa: Strukturelle Kopplung: Die Antwort der Theorie auf die Geschlossenheit sozialer Systeme und ihre Bedeutung für die Politik (149-170); Stefan Lange: Die politische Utopie der Gesellschaftssteuerung (171-193); Hans-Joachim Giegel: Die demokratische Form der Politik in Luhmanns Gesellschaftstheorie (194-222); Hannes Wimmer: Demokratie als Resultat politischer Evolution (223-260); Jost Halfmann: Der moderne Nationalstaat als Lösung und Problem der Inklusion in das politische System (261-286); Rudolf Stichweh: Politik und Weltgesellschaft (287-296); Alex Demirovic: Ohnmächtige Differenz und die Konstitution der Politik (297-316).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.415.422.215.46 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Kai-Uwe Hellmann / Rainer Schmalz-Bruns (Hrsg.): Theorie der Politik. Frankfurt a. M.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16771-theorie-der-politik_19270, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19270 Rezension drucken
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