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/ 05.06.2013
Carmen Müller

Weimar im Blick der USA. Amerikanische Auslandskorrespondenten und Öffentliche Meinung zwischen Perzeption und Realität

Münster: Lit 1997 (Studien zu Geschichte, Politik und Gesellschaft Nordamerikas 7); XVIII, 514 S.; brosch., 59,80 DM; ISBN 3-8258-3560-X
Geschichtswiss. Diss. FU Berlin; Gutachter: W. P. Adams, K. Krakau. - Die Arbeit "veranschaulicht am Beispiel der von der amerikanischen Presse während der zwanziger und frühen dreißiger Jahre vermittelten Deutschland- und Deutschenbilder einerseits die Bedeutung von Weltbildern und nationalen Selbst- und Fremdstereotypen in den internationalen Beziehungen. Andererseits spürt sie in diesem historischen Kontext dem Beziehungsgeflecht von öffentlicher Meinung, Journalismus und Außenpolitik in den Vereinigten Staaten nach, wobei der eigene Forschungsschwerpunkt auf der Tätigkeit der amerikanischen Auslandskorrespondenten als Kommunikatoren in den deutsch-amerikanischen Beziehungen liegt" (1). Dies ist ein ambitioniertes Programm, und die Autorin will es einlösen, indem sie einerseits strukturellen, andererseits biographischen Zusammenhängen nachgeht. Untersucht werden die Herkunft und Wirkungsweise nationaler Stereotypen, die Informationspolitik (und Propaganda) der Reichsregierung, die Tätigkeit der einzelnen amerikanischen Korrespondenten in der Weimarer Republik, das Zusammenwirken von öffentlicher Meinung und Außenpolitik und im umfangreichsten Teil die Wandlungen des amerikanischen Deutschlandbildes von Bismarck bis zum Ende der Weimarer Republik. Die Arbeit ist ungemein materialreich (im Anhang werden einige Originalquellen abgedruckt), gleichwohl bleiben aus politikwissenschaftlicher Sicht einige Zweifel, die natürlich den Wert einer historischen Dissertation nicht per se in Frage stellen können. So muten die weitreichenden Folgerungen, die zur Formulierung der Außenpolitik der USA aus der Untersuchung der Presse gezogen werden, etwas gewagt an; ebenso wie umgekehrt die Schlüsse vom soziokulturellen Hintergrund der Korrespondenten auf deren Haltung. Andere Behauptungen regen zum Widerspruch an, etwa, daß die Weimarer Position des Reichspräsidenten "nicht zuletzt auf dem [...] Mißverständnis des amerikanischen Präsidentenamtes durch Hugo Preuß und Max Weber beruhte" (276; 205 f.). Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Autorin mit ihren Quellen gelegentlich etwas zu viel erklären will. Gleichwohl, im engeren Rahmen ihrer historischen Quellen bereichert die Arbeit unsere Zeitkenntnis. Warum aber der Verlag als Titelbild ausgerechnet Hitler neben einige amerikanische Korrespondenten stellen mußte, ist dem Rezensenten angesichts der hauptsächlichen Thematik des Bandes unklar geblieben.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.3112.642.22 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Carmen Müller: Weimar im Blick der USA. Münster: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7853-weimar-im-blick-der-usa_10421, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10421 Rezension drucken
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