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/ 21.06.2013
Martin Sabrow / Rainer Eckert / Monika Flacke / Klaus-Dietmar Henke / Roland Jahn / Freya Klier / Tina Krone / Peter Maser / Ulrike Poppe / Hermann Rudolph (Hrsg.)

Wohin treibt die DDR-Erinnerung? Dokumentation einer Debatte. Bearbeitet von Imgard Zündorf, Sebastian Richter und Kai Gregor

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2007; 447 S.; kart., 19,90 €; ISBN 978-3-525-36299-0
Im Frühjahr 2005 wurde von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien eine Expertenkommission eingesetzt mit der Aufgabe, ein Konzept für einen dezentral organisierten Geschichtsverbund zur Aufarbeitung der SED-Diktatur vorzulegen. In diesem Band werden die Vorschläge und die Reaktionen darauf zusammengefasst. Als Kristallisationskerne der Diktaturaufarbeitung benennen die Kommissionsmitglieder die Themenkomplexe „Herrschaft - Gesellschaft - Widerstand“, „Überwachung und Verfolgung“ sowie „Grenze und Teilung“ (32). Angesichts einer Reihe von geschichts- und erinnerungspolitischen Defiziten, zu denen die geteilte Wahrnehmung der DDR-Geschichte in Ost und West sowie ihre Trivialisierung zähle, seien mit dem Ziel einer Professionalisierung und Perspektivenerweiterung die verstreuten Einrichtungen in einem Geschichtsverbund zu bündeln. Ein inhaltlicher Schwerpunkt sollte dabei den Alltag und die Bindungskräfte in der DDR-Gesellschaft thematisieren. In einem Sondervotum distanziert sich Klier davon. Sie kritisiert, dass ein Teil der Kommission von der DDR „als einem historisch abgeschlossenen Gebilde ausgeht und folglich einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel im Umgang mit der 40-jährigen Diktatur favorisiert“ (44). Ignoriert werde das Weiterwirken ehemaliger Nomenklaturkader. „Die Stützen der untergegangenen Diktatur marschieren ja nicht nur in Gedenkstätten auf - sie sitzen im Bundestag, in den Medien, in Schulen und vielfältigen Gremien unserer Demokratie“ (44). Weitere, zum Teil sehr heftige Kritik prägt auch die Debatte über die Vorschläge, ausgetragen auf einer Anhörung, in der Presse und in Fachzeitschriften. Beispielsweise bemängeln Michael Schwartz und Hermann Wentker vom Institut für Zeitgeschichte, dass die Kommission Repression und Alltagsgeschichte voneinander trenne, obwohl diese inhaltlich nicht zu trennen seien - es habe keinen von der Diktatur unberührten Alltag gegeben, die relative Stabilität der DDR sei nicht mit gesellschaftlichen Bindungskräften, sondern mit der Mauer zu erklären. Die Kommissionsempfehlungen seien „hochgradig fragwürdig“ (371).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.352.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Martin Sabrow / Rainer Eckert / Monika Flacke / Klaus-Dietmar Henke / Roland Jahn / Freya Klier / Tina Krone / Peter Maser / Ulrike Poppe / Hermann Rudolph (Hrsg.): Wohin treibt die DDR-Erinnerung? Göttingen: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27603-wohin-treibt-die-ddr-erinnerung_32396, veröffentlicht am 02.04.2008. Buch-Nr.: 32396 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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