/ 11.06.2013
Andreas Timm
Die SPD-Strategie im Bundestagswahlkampf 1998
Hamburg: Verlag Dr. Kovac 1999 (Politica 38); 151 S.; kart., 126,70 DM; ISBN 3-86064-948-5Politikwiss. Diplomarbeit Hamburg; Gutachter: J. Raschke. - Wie entstand die SPD-Strategie für den Bundestagswahlkampf 1998 und wie sah diese aus? Diese beiden Fragen, und implizit die nach dem Erfolg der Strategie, stehen im Mittelpunkt dieser Fallstudie, die der Verfasser auf Basis intensiver Literaturauswertung, umfangreicher Presse- und Dokumentenanalysen sowie dreier Expertengespräche mit SPD-Wahlkämpfern erstellt hat. Timm bemängelt, bisherige Arbeiten böten meist nicht mehr "als eine bunte Panoramaaufnahme" des jeweils untersuchten Wahlkampfes, nach der Wahlkampfstrategie der Parteien werde nur selten explizit gefragt, die Erkenntnisse von Praktikern blieben zu wenig berücksichtigt und auf eine Systematisierung der gemachten Beobachtungen werde weitgehend verzichtet. In diese Lücke möchte er seine Arbeit stellen. Er beginnt sie mit einem theoretischen Bezugsrahmen, indem er die für eine systematische Analyse notwendigen Kriterien herausarbeitet. Durch Auswertung der Praktiker-Literatur und der von der Parteienforschung angestellten Fallstudien stellt er zunächst ein Modell über die Entstehung von Wahlkampfstrategien vor und entwickelt anschließend Kriterien zu deren systematischer Erfassung. In Abschnitt III untersucht er unter Berücksichtigung der theoretischen Vorarbeit zuerst die Entstehung der SPD-Strategie, dann diese selbst. Im Abschnitt IV wendet er sich mit Blick auf das Wahlergebnis sowie auf Daten der Wahlforschung der Frage nach dem Erfolg der Wahlkampfstrategie zu. Timm kommt zu den Ergebnissen, dass die wichtigsten strategischen Fragen von "einem kleinen informell organisierten Strategischen Zentrum bestimmt" wurden, welches aus Lafontaine, Schröder und Müntefering bestand, während das Parteipräsidium und die Kampa für "strategische Entscheidungen zweiten Grades und Koordinierungsaufgaben" (77) zuständig waren. Die wichtigsten Strategien bestanden erstens in einer gewissen Personifizierung des Wahlkampfes auf Kanzlerkandidaten bzw. in der Zuspitzung des Duells Schröder-Kohl, zweitens in einem breiten Angebot an Begriffen, Botschaften und Themen, wodurch alle wichtigen Wählergruppen der SPD angesprochen wurden und schließlich drittens die Offenhaltung der Koalitionsfrage. Diese Strategien hätten sich letztlich als erfolgreich erwiesen, wenngleich (schwere) strategische Fehler der CDU (Festhalten an Kohl, Koalitionsaussage zugunsten der FDP) nicht ohne Einfluss geblieben seien.
Detlef Lemke (Le)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.332 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Detlef Lemke, Rezension zu: Andreas Timm: Die SPD-Strategie im Bundestagswahlkampf 1998 Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11196-die-spd-strategie-im-bundestagswahlkampf-1998_13241, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13241
Rezension drucken
Dipl.-Politologe.
CC-BY-NC-SA