/ 05.06.2013
Kurt Imhof / Peter Schulz (Hrsg.)
Die Veröffentlichung des Privaten - die Privatisierung des Öffentlichen
Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1998 (Mediensymposium Luzern 4); 366 S.; kart., 66,- DM; ISBN 3-531-13339-XDie o. g. Veranstaltungs- und Publikationsreihe hat sich 1997 der Bedeutung des Dualismus von Öffentlichkeit und Privatheit in der Moderne in verschiedenen "Roundtables" angenommen, die sich auch im Aufbau des Buches spiegeln: Der erste Teil beschäftigt sich mit der Entwicklung der "Sozialen Frage" in der öffentlichen politischen Kommunikation. Der zweite Teil konzentriert sich auf die Emotionalisierung und die wachsende Bedeutung der Unterhaltung in der massenmedialen Kommunikation. Anschließend folgt eine Auseinandersetzung mit der radikalen Umdeutung des Dualismus Öffentlichkeit und Privatheit in den 60er Jahren. Dabei bildete vor allem die Thematisierung der Sexualität die provokative Speerspitze einer tiefgreifenden Kulturkritik, die die Entfremdung des Menschen ebenso entdeckte, wie die Dissoziation der Geschlechter in die Sphäre der Öffentlichkeit wie der Privatheit. Der vierte und letzte Teil konzentriert sich auf das Phänomen der Substitution politischer Inhalte durch Persönlichkeitsdarstellungen. Die Auseinandersetzung mit politischen Inhalten werde immer mehr verdrängt durch die Illumination der privaten Lebensstile des politischen Personals, wobei Wechselwähler traditionelles Handeln durch affektuelles ersetzten.
Inhalt: Kurt Imhof / Peter Schulz: Einleitung: Die Veröffentlichung des Privaten - die Privatisierung des Öffentlichen (9-14); Kurt Imhof: Die Verankerung der Utopie herrschaftsemanzipierten Raisonnements im Dualismus Öffentlichkeit und Privatheit. Einführung (15-24). 1. Soziale Frage: Rudolf Stöber: Vom Interesse am Privaten zu dessen Instrumentalisierung. Zum wechselseitigen Einfluß von sozialer Frage, Öffentlichkeit und Privatheit (27-42). 2. Sex & Crime and Human Interest: Holger Böning: Das Private in der Aufklärung: Unterhaltung, Heirat, Tod in der Hamburger Presse, in den Intelligenzblättern und in der volksaufklärerischen Literatur und Publizistik des 18. Jahrhunderts (45-54); Jörg Requate: Die Lebedame und der Querulant. Zu Grenzverschiebungen zwischen Öffentlichem und Privatem in der Gerichtsberichterstattung der 60er Jahre (55-66); Hans-Jürgen Wulff: Phone-In-Shows / Hörertelefonate: Eine Grenzform zwischen intimer und öffentlicher Kommunikation (67-75); Klaus Neumann-Braun: Kommunikationskulturelle Spezifika der Rezipientenbeteiligung in Rundfunkprogrammen - ein Begriffsinventarium (76-91); Michael Schanne / Urs Kiener: "Es kommen doch alle gerne im Radio". Anmerkungen zum Wechsel zwischen Privatheit und Öffentlichkeit am Beispiel von Radiosendungen mit Hörer/innen-Beteiligung (92-98); Elisabeth Klaus / Oliver Weiß: Zum Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit: Die Loveparade in der Soap Opera Marienhof und in den Nachrichtensendungen von ARD und RTL (99-119); Hans Geser: "Yours virtually Forever". Elektronische Grabstätten im Internet (120-135); Thomas Jung / Stefan Müller-Doohm: Das Tabu, das Geheimnis und das Private - Vom Verlust der Diskretion (136-146). 3. Das Private ist politisch: Dieter Ross: Die Regression des Politischen. Die Massenmedien privatisieren die Öffentlichkeit (149-156); Angela Keppler: Das Private ist politisch. Die Veröffentlichung des Privaten - eine ambivalente Medienstrategie (157-164); Ronald Hitzler / Michaela Pfadenhauer: Konsequenzen der Entgrenzung des Politischen: Existentielle Strategien am Beispiel: "Techno" (165-179); Udo Branahl: Der Schutz des Privaten im öffentlichen Diskurs (180-191). 4. Personalisierung des Politischen: Michael Kunczik: Öffentlichkeitsarbeit im Preußen des frühen 19. Jahrhunderts oder: Politik wird öffentlich (195-209); Horst Pöttker: Hitler zum Anfassen. Personalisierung von Politik am Beispiel des Rundfunkjournalismus im NS-Regime (210-224); Hans-Dieter König: Helmut Kohls Rede von der "Gnade der späten Geburt". Die Privatisierung des Politischen als Konstruktion einer Gemeinschaft von Opfern (225-239); Christina Holtz-Bacha / Eva-Maria Lessinger / Merle Hettesheimer: Personalisierung als Strategie der Wahlwerbung (240-250); Volker Greger: Privatisierung politischer Berichterstattung im Fernsehen? Zur Veränderung der Akteursstruktur in politischen Informationssendungen von 1986 bis 1994 (251-282); Jürgen Wilke: Analytische Dimensionen der Personalisierung des Politischen (283-294); Harald Burger: Metapher und Metonymie als Mittel der Personalisierung des Politischen (295-311); Joachim Westerbarkey: Wir Voyeure: Zur Attraktivität publizierter Privatheit (312-317); Josef Wehner: Öffentliche Meinung und Person - Zur Darstellung der Politik in den Medien (318-331); Jürgen Heinrich: "Ökonomische Theorie der Personalisierung des Politischen" (332-339); Michael Schenk / Jens Tenscher: Wandel der politischen Kommunikation unter dem Einfluß von Marketing- und Werbestrategien (340-356).
Claudia Bruns (CB)
Dr., Historikerin.
Rubrizierung: 2.22 | 2.333
Empfohlene Zitierweise: Claudia Bruns, Rezension zu: Kurt Imhof / Peter Schulz (Hrsg.): Die Veröffentlichung des Privaten - die Privatisierung des Öffentlichen Opladen/Wiesbaden: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7773-die-veroeffentlichung-des-privaten---die-privatisierung-des-oeffentlichen_10316, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 10316
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Dr., Historikerin.
CC-BY-NC-SA