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/ 11.06.2013
Martin Kött

Goldhagen in der Qualitätspresse. Eine Debatte über "Kollektivschuld" und "Nationalcharakter" der Deutschen

Konstanz: UVK Medien 1999 (Journalismus und Geschichte 3); 142 S.; brosch., 38,- DM; ISBN 3-89669-255-0
Gut drei Jahrzehnte nach der Fischer-Kontroverse und zehn Jahre nach dem Historikerstreit gelang es dem amerikanischen Historiker Goldhagen, mit seiner Dissertation "Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust" ein drittes Mal, die Frage nach der deutschen Kollektivschuld und dem "Nationalcharakter der Deutschen" zu stellen. Anders als in den vorangegangenen Kontroversen, in denen deutsche Historiker (Fritz Fischer) oder Philosophen (Jürgen Habermas) die Historikerzunft spalteten, stieß Goldhagen mit dem Vorwurf, der Antisemitismus sei tief in der deutschen Kultur verwurzelt auf die Ablehnung einer mit nahezu monolithischer Geschlossenheit auftretenden Historikerzunft. Die Studie von Kött zeichnet im ersten Teil die wichtigsten Thesen des Goldhagen-Buches nach, ohne deren geschichtswissenschaftliche Relevanz einer Bewertung zu unterziehen. Im folgenden Teil geht es um eine Nachzeichnung des enormen Echos, das Goldhagen in der deutschen "Qualitätspresse" - damit meint der Autor die Tageszeitungen "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Süddeutsche Zeitung", "Frankfurter Rundschau", "Die Tageszeitung", "Neue Zürcher Zeitung" sowie die Wochenblätter "Die Zeit", "Die Woche" und das Magazin "Der Spiegel" - hervorrief. Kött vertritt die These, dass sich die deutsche Kritik an Goldhagen an Schlagwörtern wie "Kollektivschuld" und "Nationalcharakter" entzündete, ohne dass Goldhagens Studie dabei einer eingehenden inhaltlichen Prüfung unterzogen worden sei: "Auf diese Weise wurde nicht allein die Antisemitismus-These Goldhagens, sondern die gesamte Holocaust-Studie als wissenschaftlich wertlos abgelehnt. Da die genannten Schlagworte im Zentrum der emotionsgeladenen Debatte standen, wurde eine sachliche Auseinandersetzung über Methode und Inhalt der Studie verhindert." (12)
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.352.333 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Martin Kött: Goldhagen in der Qualitätspresse. Konstanz: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11252-goldhagen-in-der-qualitaetspresse_13327, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 13327 Rezension drucken
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