/ 18.06.2013
Inga Börjesson
Wie Medien wirken. Am Beispiel der Walser-Bubis-Debatte
Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2003 (Studien zu Politik und Wissenschaft); 157 S.; 13,40 €; ISBN 3-87920-463-2Im Zentrum steht die von Walser 1998 mit seiner Friedenspreisrede angefachte und im Folgenden in den Medien ausgetragene Debatte um den angemessenen Umgang der Deutschen mit der NS-Vergangenheit. Die Beiträge der Hauptprotagonisten Walser und Bubis, die Reaktionen von Klaus von Dohnanyi, Salomon Korn in der Presse sowie eine exemplarische Auswahl von Beiträgen jüdisch-deutscher und deutscher Studenten werden einer Diskursanalyse unterzogen. Die Textanalysen sind aufschlussreich und lesenswert. In ihnen werden unter anderem Verwobenheiten zwischen den Diskurssträngen von nationaler Identität und NS-Vergangenheit, Argumentationsmuster, Maßstäbe für die Zuschreibung von Tätern und Opfern sowie Verständnisse von Scham und Schuld untersucht. Unverständlich bleibt das Motiv für die Wahl des Buchtitels. Gegenstand der Untersuchung ist allein die diskursanalytische Beschäftigung mit der Walser-Bubis-Debatte. Die Wirkung der Medien wird an keiner Stelle Gegenstand der inhaltlichen Auseinandersetzung. Die einzigen Hinweise auf eine Relevanz der Medien sind: erstens, dass die Debatte ihr Podium in den Printmedien gefunden hat und zweitens, dass die Autorin in einem Abschnitt Tendenzen und zentrale Argumente, welche von Intellektuellen und Journalisten in verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen vorgetragen wurden, zusammenfassend darstellt. Dem Leser bleibt leider auch verborgen, warum die Autorin ausführlich auf die Situation und Defizite der politischen Erwachsenenbildung eingeht ohne den von ihr untersuchten Gegenstand dazu in einen eindeutigen Zusammenhang zu bringen. Die Formulierung einiger didaktischer Anregungen für die Beschäftigung mit und die Analyse von öffentlichen Diskursen im Kontext politischer Bildung wären hilf- und aufschlussreich.
Aus dem Inhalt: Politische Erwachsenenbildung - Massenmedien - Geschichtsbewusstsein; Die Kontroverse zwischen Martin Walser und Ignatz Bubis; Reaktionen und Beiträge (in) der Presse.
Sandra Hartmann (SHA)
1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.333 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Sandra Hartmann, Rezension zu: Inga Börjesson: Wie Medien wirken. Schwalbach/Ts.: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18029-wie-medien-wirken_20810, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20810
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1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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