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/ 22.06.2013
Georg Bacher

Nelson Mandela. Political Leadership im südafrikanischen Transformationsprozess

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011 (Politik und Demokratie 20); 307 S.; geb., 44,80 €; ISBN 978-3-631-60479-3
Politikwiss. Diss. Wien; Begutachtung: H. Kramer. – Dass politische Führungsfiguren in soziopolitischen Übergangs- und Krisensituationen eine besonders wichtige Rolle spielen, ist eine allgemein anerkannte These. Sie stehen vor der schwierigen Aufgabe, mit tradierten sozialen Normen und etablierten gesellschaftlichen Institutionen zu brechen, ohne eine Fragmentierung der Gesellschaft zu provozieren. Dennoch sind in der Transformationsforschung bisher nur wenige Arbeiten erschienen, in denen die konkreten Eigenschaften, Handlungsmotive und Funktionen von charismatischen politischen Führern im Zentrum der Überlegungen stehen. Diese Forschungslücke versucht Bacher am Beispiel der südafrikanischen Transformation und Nelson Mandela theoretisch und analytisch zu schließen. Dazu verknüpft der Politologe unterschiedliche theoretische Ansätze der Political Leadership-Forschung mit der Transformationsforschung, um am Beispiel Mandelas zu reflektieren, welche Funktion charismatische Führungspersönlichkeiten in Krisensituationen und Transformationsprozessen erfüllen. Damit überschreitet er die Grenzen der gängigen narrativ angelegten Politikerbiografien in zweifacher Hinsicht: Zum einen verbindet er die persönlichen Führungsqualitäten Mandelas mit den historischen soziopolitischen Rahmenbedingungen in Südafrika. Zum anderen unterstreicht er, gestützt auf die von Ron van Dooren konzipierte interaktive Theorie politischen Charismas und ihre Unterscheidung von Provider, Lawgiver und Hero als den drei idealtypischen Rollenbildern des charismatischen Führers, die Bedeutung der symbolischen Funktion und des diskursiv zugeschriebenen Images von Mandela für die überwiegend positiv zu bewertende Transformation Südafrikas. Auf einer soliden theoretischen Grundlage zeigt er, dass Mandela nicht auf einen rhetorisch überzeugenden Übermittler einer politischen Ideologie reduziert werden darf, sondern von der Anti-Apartheid-Bewegung zur Personifikation von Gerechtigkeit, Moral und Tapferkeit erhoben wurde und somit selbst zum Symbol eines messianischen Heilsversprechens auf eine diesseitige, in der Zukunft liegende gute Ordnung avancierte.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.12.22.672.24 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Georg Bacher: Nelson Mandela. Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34520-nelson-mandela_41458, veröffentlicht am 27.01.2012. Buch-Nr.: 41458 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA