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/ 18.06.2013
Carlo Moos

Ausgrenzung, Internierung, Deportation. Antisemitismus und Gewalt im späten italienischen Faschismus (1938-1945)

Zürich: Chronos Verlag 2004; 268 S.; brosch., 29,80 €; ISBN 3-0340-0641-1
Als ein wesentlicher Unterschied zwischen Nationalsozialismus und italienischem Faschismus gilt die Annahme, die antisemitischen Gesetze und Verordnungen seien in Italien 1938 nur aufgrund deutscher Einflussnahme vollzogen worden. Moos widerspricht dieser These in seiner historischen Studie, in der nach den spezifischen Ausformungen der faschistischen Rassenpolitik gefragt wird. Zweifellos ist der Antisemitismus in der italienischen Gesellschaft aufgrund der aktiven Mitwirkung der Juden am Risorgimento nicht mit dem deutschen gleichzusetzen, weshalb Italien kein eliminatorisch zugespitztes antisemitisches Feindbild kannte. Dennoch konnte der rassische Antisemitismus mühelos über den bestehenden katholischen Antijudaismus gestülpt werden. Dass sich der Wechsel zum rassistischen Antisemitismus im Zuge des Kriegs in Äthiopien vollzog, erklärt für den Autor nicht nur die exponierte Bedeutung der rassistischen Kolonial- und Minderheitenpolitik im faschistischen Italien, sondern auch den Zusammenhang von Krise und radikalisierender Rassenpolitik: „Das Bemühen um ein italienisches Rassebewusstsein sollte [...] ein zusätzlicher Beitrag zur Schaffung des ‚neuen faschistischen Menschen‘ und der Rassismus ein zentraler Aspekt der Totalisierungsbemühungen des Regimes auf dem Weg zur italienischen Herrenrasse sein” (194).
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.612.25 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Carlo Moos: Ausgrenzung, Internierung, Deportation. Zürich: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19991-ausgrenzung-internierung-deportation_23277, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 23277 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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