/ 21.06.2013
Dina Hummelsheim
Die Erwerbsbeteiligung von Müttern: Institutionelle Steuerung oder kulturelle Prägung? Eine empirische Untersuchung am Beispiel von Belgien, West- und Ostdeutschland
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 280 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-16318-5Diss. Köln; Gutachter: H.-J. Andreß. – Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für erwerbstätige Mütter ist Gegenstand öffentlicher Diskussion und politischer Programme. Mit Letzteren wird versucht, über finanzielle Anreize die Entscheidung für ein Kind zu fördern, aber auch durch den Ausbau öffentlicher Angebote von Kinderbetreuung die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Berufstätigkeit zu verbessern. Hintergrund dieser soziologischen Studie ist die Frage, welche Wirkung familienpolitische bzw. institutionelle Faktoren und Anreize auf die Integration von Müttern in das Erwerbsleben haben und wie sich kulturelle Kontexte, die in der Lebenswelt von Frauen und Familien verortet sind, auf diese Integration auswirken. Die untersuchten Regionen Belgien, West- und Ostdeutschland offenbaren neben divergierenden wohlfahrtsstaatlichen Politiken verschiedene religiöse Einflüsse, historische Kontexte und Arbeitsmarktsituationen. In der Darstellung der familienpolitischen Regelungen jeder Region – hier stehen besonders die Arbeitszeitfreistellung, finanzielle Ausgleichszahlungen und das institutionelle Kinderbetreuungsangebot im Mittelpunkt – arbeitet die Autorin Gründe für Erwerbsausstiege und deren Dauer heraus. Als kulturelle Faktoren zählen Einstellungen zu Familie und Erwerbstätigkeit, Rollen- und Partnerschaftsverständnisse, individuelle Sozialisation und Lebensplanung. Hummelsheim zeigt, dass familienpolitische Maßnahmen mit zunehmendem Alter des Kindes an unmittelbarer Wirkung auf das mütterliche Erwerbsverhalten verlieren und gesellschaftlich-kulturelle Kontexte an Einfluss gewinnen. Gute und ausreichende öffentliche Kinderbetreuung geht nicht unbedingt mit dauerhaften und langfristigen Erwerbschancen für Mütter einher. Hier greift der kulturelle Kontext, aber auch die Arbeitsmarktsituation, wie sich besonders in Ostdeutschland zeigt.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.27 | 2.36 | 2.61 | 2.262 | 2.342 | 2.23 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Dina Hummelsheim: Die Erwerbsbeteiligung von Müttern: Institutionelle Steuerung oder kulturelle Prägung? Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30073-die-erwerbsbeteiligung-von-muettern-institutionelle-steuerung-oder-kulturelle-praegung_35650, veröffentlicht am 17.03.2009.
Buch-Nr.: 35650
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Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
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