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/ 20.06.2013
Hans-Jörg Trenz

Europa in den Medien. Die europäische Integration im Spiegel nationaler Öffentlichkeit

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2005 (Campus Forschung 890); 436 S.; kart., 45,- €; ISBN 3-593-37882-5
Soziolog. Habilitationsschrift HU Berlin. – Sowohl Soziologie als auch Medienwissenschaft haben bis heute ihre methodische Blickrichtung nur ansatzweise von der nationalen auf eine europäische Perspektive verlagern können. „Die These der Emergenz einer europäischen Öffentlichkeit ist vor allem deshalb so provozierend, weil sie die methodologischen Grundlagen und das Doxa der Medienwissenschaften über die Natur und Beschaffenheit nationaler Öffentlichkeiten unterläuft.“ (157) Trenz entwickelt einerseits einen umfassenden theoretischen Ansatz einer europabezogenen Soziologie, die sich vom methodischen „Korsett des Nationalstaates“ (15) zu trennen vermag. Mithilfe einer Theorie der Öffentlichkeit, die der Autor in vier Schritten entwickelt, soll das „Verhältnis zwischen politischer Integration und Gesellschaftsbildung in Europa“ systematisch erschlossen werden. Andererseits gründet die Studie ihren theoretischen Beitrag zur Entwicklung einer Soziologie der europäischen Integration auf quantitative und qualitative Analysen von ausgewählten „Leitmedien“ der Qualitätspresse aus sieben Ländern. Das Untersuchungsjahr 2000 ist dabei u. a. von Themen wie Haiderdebatte, BSE, Osterweiterung und Reformdebatte um Nizza geprägt. Die Medienvergleichsstudie versucht zu belegen, „dass der Prozess öffentlich-politischer Kommunikation in Europa und die durch ihn angeleitete Neuordnung von Zugehörigkeits-, Identitäts- und Einheitsbeschreibungen keinesfalls willkürlich und fragmentiert erfolgt, sondern in reziproken Resonanzstrukturmustern im europäischen Rahmen zusammenläuft“ (373). Die nachgewiesenen Strukturen von reflektierten Selbstbeschreibungen einer differenzierten europäischen Gesellschaft deuten somit ein neues Paradigma der „Vielfalt der Einheiten“ statt einer „Einheit in Vielfalt“ an (53).
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 3.42.222.612.333 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Hans-Jörg Trenz: Europa in den Medien. Frankfurt a. M./New York: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24929-europa-in-den-medien_28820, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28820 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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