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/ 20.06.2013
Ingolf Pernice / Lars S. Otto (Hrsg.)

Europa vermitteln im Diskurs. Entstehung einer Europäischen Öffentlichkeit. Forum Constitutionis Europae 11

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Europäisches Verfassungsrecht 34); 124 S.; EUR 32,00 €; ISBN 978-3-8329-6057-5
Im Mittelpunkt der Beiträge steht die Frage nach den Bedingungen, der Bedeutung und den möglichen Entwicklungsstrategien einer europäischen Öffentlichkeit sowie dem Wechselverhältnis zwischen dieser und der Stabilität der Union. Die Autoren stellen die Versuche und Schwierigkeiten dar, in mehrheitlich national organisierten Medienlandschaften europäische Politik zu vermitteln. Als besondere Herausforderung wird hierbei die Berichterstattung „in der Normalität“ (13) und eben nicht im Ausnahmefall, wie etwa bei den diversen Referenden zum Vertrag von Lissabon, herausgearbeitet. Wie so eine europäische Alltagskommunikation funktionieren kann, referiert Margot Wallström, ehemalige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission in ihrem Beitrag „Communicating Europe - Mission Impossible?“ (21). Um gesamteuropäischen Herausforderungen, wie beispielsweise der Finanzkrise, wirksam begegnen zu können, bedürfe es einer besseren Verzahnung der auf EU-Ebene getroffenen Entscheidungen mit der lokalen Öffentlichkeit. Dies sei nur durch eine höhere Transparenz, die Abkehr vom EU-Sprachjargon sowie eine erhöhte Vermittlungsanstrengung in den neueren Social Media wie Facebook zu erreichen. Einen praktischen Zwischenruf, „Europa als Auflagenkiller - Erfahrungen zweier Journalisten“ (81), liefern der BILD-Hauptstadt-Korrespondent Nikolaus Blome und der stellvertretende Chefredakteur der ZEIT Bernd Ulrich. Solange europäische Politik „erklärt“, nicht aber „erzählt“ (82 f.) werden könne, so Blome, bleibe die EU für Zeitungsmachende und -lesende gleichermaßen unattraktiv. Dem fügt Ulrich hinzu, dass das kalkulierbare Desinteresse an europäischer Politik nicht durch eine „Mission“ (85) der Medien zu beseitigen sei. Zu einem eindeutigen Fazit, wie also Europa seine politischen Akteure und Entscheidungen bestenfalls kommunizieren könnte, lassen sich die Autoren angenehmerweise nicht hinreißen. Der Band bietet vielmehr kritische Denkanstöße zu den sich stetig ausdifferenzierenden europäischen Öffentlichkeiten. Die Texte sind aus einer Vortragsreihe aus Anlass des Inkrafttretens des Vertrags von Lissabon hervorgegangen.
Britta Voß (BVO)
M. A., Historikerin, wiss. Mitarbeiterin, Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität München.
Rubrizierung: 3.43.5 Empfohlene Zitierweise: Britta Voß, Rezension zu: Ingolf Pernice / Lars S. Otto (Hrsg.): Europa vermitteln im Diskurs. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21941-europa-vermitteln-im-diskurs_40553, veröffentlicht am 14.07.2011. Buch-Nr.: 40553 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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