/ 11.06.2013
Georgeta Daniela Oancea
Mythen und Vergangenheit. Rumänien nach der Wende
Online-Publikation 2005 (http://edoc.ub.uni-muenchen.de/4577/1/Oancea_Daniela.pdf); 210 S.Geschichtswiss. Diss. München; Gutachter: H. Glassl, P. Bartl. – Mythen seien ein Fundament des politischen Lebens, schreibt die Autorin und stellt eine Ungleichzeitigkeit der politischen Kultur Rumäniens mit der in Westeuropa fest. Rumänien leide unter der Erblast einer vom Kommunismus übernommenen und übersteigerten Mythologie des 19. Jahrhunderts. Oancea analysiert die politische Funktion dieser Mythen für die Zeit des Kommunismus sowie für die Zeit nach 1989. Das fortdauernde Wirken einiger dieser Mythen verknüpft sie dann mit der Frage, in welchem Umfang in Rumänien die kommunistische Vergangenheit aufgearbeitet wird. Dabei zeigt sich, dass sich die Aufteilung in „Ankläger“ und „Verteidiger“ der Diktatur mit der Aufteilung des heutigen Parteienspektrums in „Rechte“ und „Linke“ deckt. Diese interpretierten die Vergangenheit vor allem zwecks Rechtfertigung ihrer jeweiligen Politik, so die Autorin. Aus Meinungsumfragen sei zudem zu folgern, dass auch in der Bevölkerung eine ähnlich gespaltene Haltung zum Kommunismus zu finden sei. Oancea bewertet diesen überwiegend parteipolitisch motivierten Umgang mit der Vergangenheit negativ, weil die gravierenden Folgen für die rumänische Gesellschaft ignoriert würden. Der Kampf um die Geschichte sei aber ein Kampf um die künftige politische Kultur des Landes. Unter Bezugnahme auf Karl Jaspers meint sie, dass nur eine differenzierte und die gesamte Gesellschaft erfassende Abrechnungsdebatte über die kommunistische Vergangenheit (und die Zeit zuvor) zur weiteren Demokratisierung des Landes beitragen würde. Und ein gewisser Grad an Abrechnung mit der Geschichte sei nötig, um ein zu enges nationales Denken zu überwinden. Nur dann werde das kollektive, historische Bewusstsein im Einklang mit der gegenwärtigen demokratischen Ordnung – und mit Blick auf die EU – bestehen können.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61 | 2.2 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Georgeta Daniela Oancea: Mythen und Vergangenheit. 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9520-mythen-und-vergangenheit_29356, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29356
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