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/ 03.06.2013
Dominik Geppert

Störmanöver. Das "Manifest der Opposition" und die Schließung des Ost-Berliner "Spiegel"-Büros im Januar 1978

Berlin: Ch. Links Verlag 1996 (Forschungen zur DDR-Gesellschaft); 207 S.; brosch., 38,- DM; ISBN 3-86153-119-4
Im Januar 1978 veröffentlichte "Der Spiegel" in zwei Ausgaben unter den Überschriften "Wir sind gegen die Einparteien-Diktatur" sowie "Korruption, wohin man blickt" einen Text des "Bundes Demokratischer Kommunisten Deutschlands", in dem die Politik der SED-Führung um Honecker kritisiert, Reformen in der DDR und die Wiedervereinigung Deutschlands gefordert wurden. Die "Spiegel"-Redaktion betitelte das Dokument als das "Manifest der ersten organisierten Opposition in der DDR" (7). Die SED-Spitze empörte sich so sehr über die Veröffentlichung des Papiers, daß sie sich entschloß, das Ost-Berliner Redaktionsbüro wenige Tage später zu schließen. Über die Ziele und Motive des Textes wurde viel und häufig spekuliert: Der frühere Bundeskanzler Schmidt sah darin "ein gezieltes 'Störmanöver'" gegen die Entspannungspolitik der Bundesregierung (7). Die von Arnulf Baring betreute Studie zentriert sich auf zwei Themenkomplexe: Es wird erstens versucht, Entstehung und Wirkung des Textes zu rekonstruieren und zweitens, das Manifest in den Kontext der deutsch-deutschen Entspannungspolitik einzuordnen (9). Geppert stützt seine Arbeit neben der Auswertung von Quellen - wie etwa der betreffenden Akten des früheren Zentralen Parteiarchivs der SED oder der des MfS – auch auf Berichte von Zeitzeugen, z. B. Aussagen von Ulrich Schwarz, dem damaligen Korrespondenten des "Spiegel" in Ost-Berlin und denen der Verfasser des Manifestes. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, daß es sich bei dem Dokument um "das authentische Dokument einer SED-internen Opposition gegen die Politik Erich Honeckers [handelt]. Seine Entstehung und Wirkung wurde durch die Entspannungspolitik begünstigt, zugleich jedoch auch behindert. Beispielhaft werden an ihm die zwiespältigen Auswirkungen, die Grenzen und Möglichkeiten der deutsch-deutschen Détente deutlich." (11) Inhaltsübersicht: Honeckers DDR in der Krise; Das "Manifest im Spiegel; Die Reaktion der SED; Die Reaktionen in der Bundesrepublik; Die Suche nach den Verfassern; Das "Manifest" in der Geschichte der DDR-Opposition.
Sabine Steppat (Ste)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3132.333 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Dominik Geppert: Störmanöver. Berlin: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3378-stoermanoever_4445, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 4445 Rezension drucken
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